Singapur und Vietnam

25. Oktober - 30. November

 

 

 

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Um Vietnam zu bereisen, muss man Millionär sein! Wir waren es, Multis sogar! Ein erhabenes Gefühl....vor allem als Vietnamese. Bei uns hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen, sind doch eine Million vietnamesische Dong nur gerade mal 45 CHF. Anfänglich war es schwierig mit diesen vielen Nullen umzugehen. Es ist mir auch schon passiert, dass ich nach dem Essen 200'000 VND Trinkgeld gegeben habe anstatt 20'000. Der junge Mann hat es wieder zurückgebracht und gemeint:"Sie haben schon bezahlt, Sir". 

Vietnam zu bereisen war ein schon lange gehegter Wunsch von uns.

 

Ab dem Frühjahr 2016 begannen wir sporadisch Informationen über Land und Leute, Sehenswürdigkeiten und Reisemöglichkeiten im Internet zu sammeln. Schnell war klar, dass wir das Land vom Norden (Hanoi) Richtung Süden (Ho-Chi-Minh) durchreisen wollen. Auch war klar, dass es keine Hetzjagd werden sollte und so planten wir 5 Wochen für den Trip  ein. Uns war klar, dass wir nicht alles erforschen können, schliesslich ist das Land riesig (3 Klimazonen) und bietet unendlich viele Möglichkeiten.  Um möglichst flexibel zu sein, wollten wir alles selber planen. Also buchten wir übers Netz einen Flug von Zürich nach Hanoi am 25. Oktober  (mit 2 Tagen Stoppover in Singapur) und einen Flug zurück nach Zürich am 30. November.

Beim Stöbern in verschiedenen Foren im Internet stiessen wir auf den Namen Bao; so hiess der Mann, der von einigen Vietnam Reisenden empfohlen wurde. Ein Vietnamese, der 17 Jahre in Deutschland gearbeitet hat und nun versucht, als privater Reiseleiter seine Familie durch zu bringen.  Ein Mann, der Land und Leute kennt (auch abseits der Touristen-Trampelpfade) und flexibel auf unsere Wünsche eingehen wird. Wir fanden es einen Versuch wert und schickten ihm ein Mail. Postwendend kam seine Antwort. Er freute sich sehr und erkundigte sich nach unseren Wünschen. Beim 2. Mail kam bereits ein detaillierter Reiseplan, den wir noch leicht abänderten, mit Ausflügen rund um Hanoi inkl. Kosten. Das stimmte für uns fürs erste. Das 3. Mail war kurz : "Am 28. Oktober 11.45 Uhr empfängt Sie mein Fahrer in der Ankunftshalle des Hanoi Airports und bringt Sie in Ihr Hotel ".  Das Hotel haben wir im Voraus für 4 Tage gebucht, um wenigstens zu Beginn schon Mal irgendwo wohnen zu können.  So kam es, dass Bao persönlich mit einem Schild "Friedli" am Gate auf uns wartete.

 

Von da an war gesorgt für uns.

 

Aber alles der Reihe nach. 

Mit dem Airbus A380 der Singapur Airline Flug SQ 345 flogen wir die knapp 12'000 Km in ca. 12 Std nach Singapur.  Der Flug in dieser Riesenmaschine war sehr ruhig und auch der Lärmpegel kaum störend. Da in Singapur sommerliche Temperaturen um die 30 °C zu erwarten waren, kleideten wir uns dementsprechend sommerlich ein. Leider haben wir Wenigflieger die klimatisierte Kabine unterschätzt.

Zum Glück lagen Decken und Kissen bereit, so dass wir den Flug ohne frieren zu müssen gut überstanden.

Geschlafen haben wir zwar nicht, oder nur wenig, trotzdem wurde es nie langweilig. Es gab 2 reichhaltige  Mahlzeiten und div. Snacks und Äpfel während des Fluges. Am Bildschirm an der Sitzlehne des Vordermannes konnte man Filme auswählen oder die Flugroute mitverfolgen.

 

 

Singapur

In Singapur angekommen wurden wir vom Transferbus direkt in das Hotel gefahren. 2 Tage Stoppover hatten wir gebucht um die Stadt zu besichtigen. Wenn wir schon mal hier sind.

Irgendwo hatte sich noch ein "falscher Fehler" eingeschlichen bei der Hotelbuchung. Anita erschien nicht auf den Papieren. Sie musste den Transfer extra bezahlen. Da sie nicht unter der Brücke schlafen wollte, haben wir nach ein paar Telefonaten und einer kurzen Diskussion an der Rezeption die Sache klären können. Zum Glück sprachen sie einigermassen gut Englisch.

Ansonsten hat das Arrangement mit der Singapur Airlines hervorragend funktioniert.

 

Vor dem Haus befand sich gleich die Busstation und so waren wir in Kürze in der Stadt.

 

Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Singapur ist das Pompöseste, was wir bis jetzt gesehen haben. Die Stadt ist ein einziger Einkaufsladen, meistens in supermodernen riesigen Tempeln, die sich endlos aneinander reihen. All die bekannten Marken (nix billig) sind hier untergebracht. Hochhäuser dicht aneinander und alles begrünt. Wir haben noch keine Stadt gesehen mit dieser Vielfalt an Palmen, Blumen und allerlei tropischen Pflanzen. Sogar in den Hallen des Flugplatzes ist alles super schön begrünt. Wir haben 2 Tage die Stadt durchforscht. Mit dem Bus und zwangsläufig auch ein paar Km zu Fuss. Für punktuelle Besichtigungen am 2. Tag haben wir die U-Bahn benutzt.

 

Trotz allem keine Stadt für uns.  Diesen Lebensraum haben sie sich selber ge(ver)-baut. Ein Kosmos aus Stahl, Glas und Beton. Alles sehr sauber als wäre es soeben gebaut worden. Auch die Leute, wie aus dem "Truckli". Die Preise für Essen und Trinken waren moderat, besonders im China-Town. 

 

 

 

Vietnam

Hanoi

 

Am 28. Oktober morgens flogen wir weiter und landeten nach zweieinhalb Stunden in Hanoi. Bao und sein Fahrer brachten uns ins HM Boutique Hotel, direkt in der Altstadt. Das Hotel war erste Wahl, wie sich herausstellte. Kaum vor der Türe, waren wir mitten drin im Gewuschel.

 

Hanoi Old City... das ist kaum zu glauben. Ein Gewirr sondergleichen. Alles nach dem Motto: "Alles Roller oder was"! Man sitzt an einer Kreuzung und staunt. Was da alles daherkommt ist unglaublich.  Bis zu 5 Personen auf einem Roller! Kleinkinder dazwischen gequetscht etc..  Mutti muss sich halt auf dem Gepäckträger festkrallen.  Allerlei Güter werden so befördert. Würden hier ab morgen unsere europäischen Gesetze gelten, wären die Strassen sofort menschenleer. Die Stadt zählt um die 8 Millionen Einwohner und 5 Millionen Roller.

Trotzdem, wir haben in dieser Woche keinen einzigen Unfall gesehen! Jeder hat jeden im Auge. Selbst als Fussgänger hat man keine Probleme über die Strasse zu gehen. Über die grösste Kreuzung geht man gefahrlos, wenn man die wichtigste Regel befolgt: Gehe langsam, möglichst nicht stehen bleiben und niemals zurückweichen"! Somit bist du ein berechenbarer Faktor für die Verkehrsteilnehmer.

 

Und es funktioniert! Wir haben es öfters ausprobiert. Ich würde es mit geschlossenen Augen wagen.

 

 

 

 

Wir sind nun schon ein paar Tage hier, haben das Hotel ungefähr 10-12 mal verlassen und nur ca. 4 mal ohne fremde Hilfe  heimgefunden.

Alles sieht ähnlich aus. Die Gehwege überstellt mit Strassenküchen, Rollern oder Warenauslagen. Strassennamen kann man sich vorerst schlecht merken.  Wir wohnten in der Hang Dau. Dann gibt es aber auch noch die Nguyen Hürü Huän, die Luong Ngoc Quien usw.

 

Letzte Nacht sind wir noch um 23 Uhr irgendwo herumgeirrt, obschon wir sicher waren, dass wir es dieses Mal bestimmt schaffen würden. Durch die diversen Garküchen und Tausenden von Leuten. Freitagabend, die Vietnamesen essen auswärts am Strassenrand, sitzen in Gruppen zwischen parkierten Rollern. Wir kämpften uns durch, bis wir keine Ahnung mehr hatten wo wir waren. Die Altstadt hat 36 Strassen. Alle haben eine spezielle Bedeutung. Da gibt es z.B. die Eisenstrasse, da gibt es alles zu kaufen was aus Eisen ist. Auf dem Gehsteig wird geschweisst und geschmiedet. Dann die Schuh-Strasse, Schmuck-Strasse, Werkzeug-Strasse, die Medikamenten-Strasse usw. 

An einer Garküche haben wir uns noch verpflegt, bevor wir uns nach Hause durchgefragt haben. Die Vietnamesen sitzen auf ganz kleinen Schemeln oder am Boden beim Essen. Für uns Langnasen mit den langen Beinen nicht unbedingt ideal. Hätte es noch eine Viertelstunde länger gedauert, hätte man mir helfen müssen aufzustehen! Anita hatte zum Glück einen Wegweiserpfahl neben ihrem Kinderstühlchen und konnte sich daran hochziehen.

Es gibt aber auch andere (normale) Restaurants, mit Stühlen und Tischen wie wir es uns gewohnt sind.

 

 

Stadtbesichtigung

 

Thäng, unser Guide, ein Freund von Bao und ebenfalls ein gebrochen Deutsch sprechender Vietnamese, führte uns zu den Sehenswürdigkeiten in und um Hanoi. Wir waren beim Ho Chi Minh Mausoleum, der Einsäulenpagode, dem Literaturtempel, der Tran Quoc Pagode, und dem Dong Xuan Markt. Zum z'Mittag gab es die Phö,  eine unter den Einheimischen sehr beliebte  Nudelsuppe mit allerlei  Einlagen.  

 

Abends  besuchten wir das Thang-Long-Wasserpuppen-Theater. Eine interessante Vorführung, in der 8 Personen hinter einem Vorhang, bis zur Hüfte im Wasser stehen und die Figuren an langen Stangen bewegen. Untermalt wurde das Ganze mit Live Music.

 

 

 

Die Trockene Halong Bucht

 

Tags darauf fuhren wir mit unserem Fahrer und dem Guide die 120 km in die Trockene Halongbucht nach Ninh Binh, der früheren Hauptstadt von Vietnam. 

Die Trockene Halong-Bucht um Ninh Bihn ist eine der schönsten Landschaftsformen in Vietnam. Anders als bei der "nassen" Halong-Bucht sind hier zwischen den Felsformationen Reisfelder. 

Der Herrscher Lý Thái Tổ (ab 1009) verlegte die Hauptstadt von Hoa Lư nach Thăng Long, dem heutigen Hà Nội.

Thäng, unser Führer klärte uns ausführlich über die früheren Herrscher hier im  Hoa Lu Tempel auf.

 

Etwas abseits der Touristenströme organisierte er eine anderthalbstündige Bootsfahrt auf einem kleinen Fluss, der durch die Land-schaft mäandert. Die Fahrt war interessant, führte sie doch mehrmals durch Höhlen. Stalagmiten und Stalaktiten konnten wir mit unseren Taschenlampen entdecken. 

Tiere bekamen wir, ausser ein paar Eisvögel und einer Wasserschlange, keine zu Gesicht.

Unser Fahrer benutzte absichtlich die Nebenstrassen für die Fahrt von und nach Hanoi. So bekamen wir einen guten Einblick, wie hier auf dem Lande gewohnt und gearbeitet wird. Wir passierten viele kleine Dörfer. Die Mehrheit der Vietnamesen lebt sehr bescheiden. Meist säumten einfache ärmliche Hütten die Strasse. Die meisten verdienen hier ihr Geld mit dem Anbau von allerlei Obst- und Gemüse sowie Landwirtschaft und allerlei Handel.

Wir passierten riesige Bananenplantagen, Enten- und Hühnerfarmen, Schweinemästereien und Fischteiche. Und Palmen natürlich überall. 

Interessant auch wie hier aufeinander  Rücksicht genommen wird. So wird z.B auf der Strasse das Stroh oder den Reis getrocknet. Kein Problem, man fährt einfach drum herum, fertig. 

 

Immer wieder erblickten wir Grabmäler in allen Grössen und Variationen.  Verstreut auf dem ganzen Gebiet.

 

Wie uns unser Guide erklärte, übrigens ein Feng Shui Lehrer, werden in Vietnam die Gestorbenen erstmal beerdigt. Nach 3-4 Jahren werden die Überreste wieder ausgegraben, die Knochen gereinigt und in ein längliches Kistchen von ca. 60-80 cm gepackt und in einem Grabmal, nach Wahl der Angehörigen, zu Ruhe gelegt. Streng nach Feng Shui (wie vieles in Vietnam), die Füsse Richtung Wasser und der Kopf Richtung Berg. Bei Familien mit geringerem Einkommen wird die Exhumierung so lange hinausgezögert, bis das Geld für dieses Prozedere beisammen ist. Meistens werden die Grabmäler auf den eigenen Grundstücken angelegt und "ewig" geehrt.

 

Leider setzte auf der Rückreise nach Hanoi starker Regen ein und zusammen mit der einbrechenden Nacht wurde die Fahrt schwierig.

Gelinde ausgedrückt! Für uns Europäer eher horrormässig. Immer wieder tauchten im Scheinwerferlicht Roller auf, die uns auf der falschen Seite der Strasse ohne Licht entgegenkamen oder von der Seite her irgendwie ein-oder abbogen. Oder Fussgänger mit Karren kreuzten die Strasse. Immer fand unser Fahrer einen Weg drum herum oder mitten durch sich kreuzende Lastwagen! Alltag, oder besser gesagt Allnacht für die Verkehrsteilnehmer hier.

 

Jedenfalls waren wir froh, unser Hotel unbeschadet erreicht zu haben.  

 

 

 

 

Die Halong Bucht

 

Zweifellos eines der Highlights unserer Reise durch Vietnam.

Die Tour, von Bao nach unseren Wünschen geplant, begann mit der Abholung in unserem Hotel in Hanoi am 1.11. um 8.00 Uhr.

Von da an war für uns gesorgt; alles wurde tipp topp gemanagt von verschiedenen Englisch sprechenden Guides. 

Die Fahrt nach Halong im Sammelbus dauerte 4 Std. mit einem Zwischenstopp auf halbem Weg.  Unser Guide (Que) für diesen Abschnitt, erklärte während der Fahrt vieles über Vietnam und seine Bewohner. Zwischendurch wurden alle Teilnehmer vorgestellt und nach ihrem Interesse für die Reise in Vietnam befragt.

Während dem Zwischenstopp hatten wir Gelegenheit, einheimische Arbeiterinnen beim Needlepainting (Sticken) zu beobachten. Sehr aufwändige Kunstwerke konnten hier bewundert (oder gekauft) werden.

 

Pünktlich um die Mittagszeit kamen wir in Halong an und bestiegen ein Übersetzboot, das uns hinaus ins Hafenbecken zu unserem "Kreuzer" brachte. Zügig wurden die Kabinen bezogen und schon wartete das Mittagessen. Die Tafel war reich gedeckt und man konnte wählen, auf was es einem gelüstete. Interessant war auch die Zusammensetzung mit den Tischnachbarn. Mal waren es Spanier, mal Argentinier, Engländer oder Bulgaren. Die ersten Worte waren immer: "What is your language?" So hatten wir immer interessante Gespräche. Schweizer haben wir nirgendwo angetroffen. Die meisten Gäste hier in Vietnam sind Amerikaner, Franzosen, Deutsche und Engländer. 

 

Nachdem es mit den alten Holz-Dschunken viele Unfälle gegeben hat, sind heute nur noch "normale" Ausflugsschiffe  in der Bucht erlaubt.  Diese haben aber durchaus auch ihren Charme. Und die Sicherheit geht vor! Die schönste Dschunke bringt nichts, wenn sie nachts "absäuft".

So fuhren wir zügig hinaus in die Welt des absteigenden Drachens im Südchinesischen Meer. Eine einmalig schöne  Wasserlandschaft.

 

Vor Jahren lebten hier unzählige Vietnamesen in schwimmenden Dörfern. Diese verunreinigten die Gegend mit ihrem achtlos ins Wasser geworfenen Abfall dermassen, dass die Regierung  sie nun, bis auf einige wenige, vom Wasser verbannte. 

Nach ca. einer Stunde Fahrt ankerte das Schiff und die Kanus wurden zu Wasser gelassen. Nun hatten wir Gelegenheit, die Gegend auf eigene Faust im Kajak zu berudern. "Dort um den Hügel, durch die Höhle und aussenrum" meinte unser Guide.  Dauere ca. eine halbe Stunde.

Also ruderten wir los und bewunderten während der Fahrt die bizzarren Felstürme mit ihrer tropischen Bewaldung. Einmal liefen wir auf Grund und mussten das Boot über die Sanddüne schleppen. Ob der Schönheit der Gegend entging uns, dass es schon anfing einzunachten. Weitere Tourteilnehmer konnten wir auch keine mehr ausmachen. Trotzdem erreichten wir unsere schwimmende Bleibe noch vor der Nacht. Vor dem Abendessen hatten wir noch genug Zeit zu duschen und uns ein wenig auszuruhen.

Das Nachtessen war wieder "der Hammer". Es wurde aufgetischt, dass wir manchmal kaum noch ein freies Plätzchen auf dem Tisch ausmachen konnten. Die Platten wurden herumgereicht oder man knabberte gemeinsam mit den Stäbchen am selben Fisch.

 

Während die Nacht hereinbrach, versammelten sich alle Schiffe im selben Becken zwischen den Bergen. Aus Sicherheitsgründen, waren wir doch weitab der Zivilisation.

Nach dem Essen verbrachte man die Zeit auf dem Sonnendeck und genoss die laue Nacht in dieser einmalig schönen Umgebung.

Zum Glück wählten wir die Tour mit 3 Tagen/2Nächten. So hatten wir die Gelegenheit, einen ganzen Tag auf dem Schiff zu verbringen und hatten keinen Stress. Die meisten Besucher buchen nur 1 Nacht auf dem Schiff. Das heisst, am 2. Tag gegen Mittag Abschied nehmen von der Gruppe und auf ein anderes Schiff wechseln, das zurück nach Halong City fährt.

 

Allmorgendlich um 06.30 Uhr konnte am Tai Chi Turnen teilgenommen werden. Wer früh aufstehen mochte, konnte den Sonnenaufgang über dem Meer beobachten.

Am 2. Tag cruisten wir weiter hinein in die Berglandschaft, besuchten Grotten, paddelten erneut in der Gegend, badeten oder verbrachten die Zeit auf dem Sonnendeck und bewunderten die gemächlich vorbeiziehende Landschaft.

 

Wer Lust hatte, konnte an der Vorführung des Kochs teilnehmen, der aus allerlei Gemüse wahre Kunstwerke zauberte. Während eines kleinen Workshops hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Frühlingsrollen herzustellen.

 

Am 3. Tag um die Mittagszeit erreichten wir wieder den Ausgangspunkt in Halong und wurden in den Bus verfrachtet Richtung Hanoi, wo wir in der Nähe des Hotels abgesetzt wurden. 

Wichtig ist, nicht die erstbeste billige Tour zu buchen, auf der alles auf dem Minimum gehalten wird (Essen, Sicherheit, Aktivitäten etc.). 

Es gibt viele Seelenverkäufer unter den Anbietern!

 

Die Halong Bucht...eine  Erfahrung, die wir nicht mehr missen möchten!

Sapa 

 

Nach einem Erholungstag am 4.11. bestiegen wir zusammen mit unserem Guide Bao, den Nachtzug in die Berge nach Sapa.

Die Fahrt dauerte 12 Stunden, sie endete in Lao Cai, ca 30 Km vor Sapa. Die Fahrt war etwas "ruckelig", aber trotzdem ein schönes Erlebnis. Wir schliefen in einem 4-er Abteil zusammen mit Bao und einem Einheimischen. Dieser sprach gut Englisch und so konnte vor dem Einschlafen noch etwas "palavert" werden.  Noch vor Sonnenaufgang erreichten wir Lao Cai. Ein privater Fahrer brachte uns vom Bahnhof in das 15'000 Einwohner zählende Bergdorf. Es liegt nahe an der chinesischen Grenze im Norden Vietnams.

Sapa hat eigentlich recht wenige echte Sehenswürdigkeiten zu bieten. Trotzdem wird es immer beliebter. Der Grund ist seine atemberaubende Lage inmitten von Bergen und Reisterrassen. Der ideale Erholungsort für vietnamesische Stadtbewohner genauso wie für internationale Reisende. Sapa liegt im Hoang-Lien-Son-Gebirge, auch bekannt unter dem Namen ‘Tonkinesische Alpen’.

 

Die Fahrt zum Hotel war "gewöhnungsbedürtig". Die ohnehin schon engen Gassen waren zeitweise blockiert durch Bauarbeiten und -maschinen. In Sapa findet momentan ein Bauboom statt. Mehrere Hotels werden gleichzeitig gebaut. Im Ort selber werden alte Häuser abgerissen und so Platz für Neubauten geschaffen. Gegenüber unserem Hotel dröhnten den ganzen Tag die Kompressoren und Spitzhämmer, die dem Berg Bauplatz abrangen. Aus Platzmangel zwischen dem Berghang und den Häuserreihen, dient die Strasse als Umschlagplatz. Der Verkehr kam öfters zum Erliegen, was die Luft dermassen verpestete, dass das Atmen zeitweilen schwer fiel.

Zum Glück kamen wir nicht dem Dorf Sapa wegen, sondern wollten die Gegend hier oben erkunden. Mehrere ethnische Gruppen leben ringsum an den Hängen friedlich zusammen, die H'mong, Dao und Tay. Sie bestellen die Reisfelder im Mai und ernten im September.  In der Zwischenzeit wird Obst und Gemüse angepflanzt. Aufgefallen sind uns vor allem die Schwarzen- und die Roten H’mong Frauen. Sie tragen ihre farbenfrohen Trachten ganzjährlich. Auch zum Arbeiten. Wie der Name schon aussagt, sind sie entsprechend gekleidet. Rot oder schwarz. Sie sticken in ihrer Freizeit allerlei Taschen und Kleidungsstücke, die sie den Touristen zu Kauf anbieten. Das tun sie sehr hartnäckig!  Sie verstehen weder "no thanks" noch verneinende Handbewegungen. Kopfschütteln hilft auch nicht. Man wird regelrecht verfolgt. Wenn es sein muss, kilometerweit auf der ganzen Wanderung. An diese "Schatten" muss man sich gewöhnen, auch wenn es einem zeitweilen schwer fällt .

Jeder versucht halt etwas vom Kuchen abzubekommen. Es ist ihnen nicht zu verdenken, muss doch jeder schauen, irgendwie über die Runden zu kommen. 

 

Unser Guide Bao hat viele Jahre in Sapa gelebt und kennt die Gegend wie seine Hosentasche. Er führte uns entlang den Hängen und durch die Dörfer in den Reisterrassen. Er erklärte uns die verschiedenen Pflanzen, kannte die Namen aller am Wegesrand wachsenden Obst-und Gemüsepflanzen. Dies reichte von Mango über Cannabis, Rattan, Manjok, Ingwer, Kokosnuss, Bananen und vieles mehr. Ein kleiner Räucherstäbchen-Betrieb am Wegesrand gab uns Einblick in die Fertigungstechnik. Ein Familienunternehmen, wo die ganze Familie mitarbeitete. Bei einem seiner Freunde, der ein "Homestay" betreibt, ein kleines Restaurant mit Übernachtungs-möglichkeiten,  kehrten wir  ein. Ebenfalls ein Familienbetrieb, in dem wir sehr gut verpflegt wurden. Nach dem Mittagessen zogen wir weiter bis wir nach ca. 10 Km die Stelle erreichten, wo unser Fahrer wartete und uns wieder zurück ins Hotel nach Sapa brachte. Es war ein Tag,  an dem wir viel vom Leben der Menschen hier oben erfuhren. 

Am nächsten Tag fuhren wir in das rote Dao Dorf,  in der Ta Phin Gemeinde. Die Fahrt erinnerte mich stark an meinen militärischen Aktiv-dienst. Nirgends war ich seither auf dermassen defomierten Strassen unterwegs. Unser Auto, ein ganz normaler Wagen, holperte von einem Schlagloch zum anderen. Wir kraxelten den Berghang hoch und wurden mächtig durchgerüttelt. Oben im Dorf angekommen, das bekannte Prozedere. Aus allen Häusern rannten die H'mong Frauen und belagerten uns mit ihren Stickereien. Sie verfolgten uns durch das ganze Dorf, versuchten bei jeder Gelegenheit, mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir baten eine Gruppe Stickerinnen am Wegesrand um Erlaubnis, ein Bild von ihnen zu machen. Als Dank kauften wir zwei kleine Handarbeiten. Das Leben hier oben ist schwierig. Der karge Boden ist nicht einfach zu bearbeiten. Die Behausungen der Menschen machten einen sehr ärmlichen Eindruck. Auf der Weiterfahrt passierten wir plötzlich überall Orchideen-Plantagen.  Bao erklärte uns, dass nur wenige Kilometer talwärts ganz andere klimatische Be-dingungen herrschen. Nur hier, wo eine ausgewogene Feuchtigkeit und Wärme vorherrsche, sei die Zucht von Orchideen möglich.

 

Was uns auch aufgefallen ist, waren die sozialen Einrichtungen, die auch in den abgelegensten Regionen vorhanden waren. Schulhäuser, Kindergärten und Spitäler. Auch werden die Strassen und Brücken ab und zu vom Staat repariert oder es werden neue gebaut. 

Zur Schule gehen die Kinder ab dem 6. Lebensjahr für die Dauer von 5 Jahren. 6 Tage die Woche und nur halbtags. Ab hier können nach bestandener Fähigkeitsprüfung verschiedene Weiterbildungsrichtungen gewählt werden. Die Kleinen gehen  in den Kindergarten (freiwillig, kostenpflichtig), 6 Tage die Woche den ganzen Tag bis nachmittags 15.00 Uhr.

 

Das Wetter war an diesem Tage regnerisch und trüb. Weitere Ausflüge waren nicht geplant. Wir verbrachten den Rest des Nachmittags in Sapa. Für die Rückfahrt nach Hanoi am nächsten Morgen wählten wir den Komfort-Schlafbus. Dauer etwas mehr als 5 Stunden.

Abschied von Hanoi und unserem Guide Bao.

 

Im Café neben dem Hotel trafen wir zum letzten Mal unseren Guide Bao, um die finanzielle Seite zu regeln. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keinen Rappen bezahlt. Bao hatte grenzenloses Vertrauen in uns und alles organisiert und vorfinanziert! Er organisierte uns noch den Weiterflug nach Hue, den Fahrer für 2 Tage in der Stadt und die Fahrt über den Wolkenpass zur nächsten Destination Hoi An inkl. Hotel. 

Nach einem herzlichen Abschied waren wir nun auf uns allein gestellt. Bao versicherte uns, dass seine Verbindungen weit reichen und wir jederzeit auf seine Hilfe zählen könnten.

 

 

 

Bao, unser Guide. Hier  während unserer Wanderung im Bergland von Sapa beim Probieren von Zuckerrohr.

Hue, die alte Kaiserstadt

 

Wir besuchten die berühmte Zitadelle mit der (dem chinesischen Vorbild nachempfundenen) verbotenen Stadt. Die Palastanlage der Nguyen-Dynastie, die von 1802 bis 1945 die vietnamesischen Kaiser stellte. Ein riesiges Gelände mit Anlagen und Gebäuden, die an vergangene, prunkvolle Zeiten erinnern. 

 

 

Thien Mu Pagoda

 

Am Tor auf der anderen Seite der Anlage wartete bereits unser Fahrer, um uns zur Thien Mu Pagoda zu fahren.

 

Die Legende erzählt, dass nachts auf dem Hügel am Parfümfluss eine alte Frau gefunden wurde, die ein langes, rotes Kleid und grüne Hosen trug und behauptete, dass dieser Ort einer Gottheit gehört. Sie verlangte, dass im Namen dieser Gottheit eine Pagode gebaut werden müsse, woraufhin sie in einer Wolke verschwand. Seit diesem Tage wird das Bauwerk „Die Pagode der alten Himmelsgöttin“ oder „Pagode der himmlischen Frau“ genannt. 

 

Nun erwartete uns eine Fahrt auf dem Parfümfluss (richtigerweise müsste es heissen: Kakaofluss, der Farbe entsprechend) flussaufwärts nach Hue zurück. Wir waren die einzigen 2 Passagiere auf diesem Schiff. Ein Familienbetrieb, er am Steuer, sie im Service.

 

 

 Kaisergräber von Khan Din.

 

Nach der halbstündigen Fahrt und wieder an Land, erwartete uns unser Fahrer und brachte uns zu den Kaisergräbern von Khan Din.

Kaiser Khai Định regierte von 1916-1925. Wie viele Herrschende in Ost und West suchte er sich schon vor seinem Tod einen Ort aus, an dem er begraben werden wollte. Der Hang am Chau Chu Berg, 10 km von Hue entfernt, erschien ihm geeignet, und so begann man 1920 mit dem Bau des Grabes. Insgesamt baute man 11 Jahre an dem Grab.

 

Nach dem Besuch dieser Grabstätte brachte uns unser Fahrer ins Hotel zurück.

 

 

Unverzichtbar auch der Besuch auf dem Dong Ba Market in Hue.

 

Hue ist nicht nur bekannt für seine historischen Denkmäler, hier gibt es auch viele "kurze Zeit"-Schneidereien. Feinste Seidenstoffe verlockten zum Anfertigen von Kleidungsstücken nach Wunsch und Mass. In der Nähe des Hotels stiess ich zufällig auf "Gia Huy Silk, 48, Pham Ngu Lao Street, Hue City.  Die Preise waren moderat und man konnte handeln. Ein kleiner Familienbetrieb, in dem vom Kleinkind bis zur Grossmutter alle anwesend waren, probierten wir das Angebot aus und es klappte vorzüglich! 

 

 

Die Fahrt über den Wolkenpass 

 

An nächsten Tag holte uns Bi, unser Fahrer punkt 9 Uhr ab für die Fahrt von Hue über den Wolkenpass nach Hoi An.

Der Wolkenpass stellt die natürliche Wettergrenze zwischen Süd- und Nordvietnam dar. In Nordvietnam herrscht ein subtropisches Klima mit vier Jahreszeiten, im Gegensatz zu Südvietnam, welches ein tropisches Klima hat und nur eine Regen- und Trockenzeit kennt. Während des Vietnamkrieges war der Wolkenpass ein wichtiger strategischer Ort. Wir schafften die 130 Km in ungefähr 3 Stunden. Machten Fotohalt in den Marmorbergen und am Strand von Da Nang. Leider verschlechterte sich das Wetter um die Mittagszeit derart, dass der Stopp auf dem Pass überflüssig wurde. Wir befanden uns wortwörtlich in den Wolken. Die vorausgesagte wunderbare Sicht hinunter auf beide Seiten des Passes blieb uns an diesem Tag verwehrt. Verwöhnt, wie das mit dem Wetter in dieser Gegend halt so üblich ist, wurden wir am Ziel unserer Reise in Hoi An mit sonnigen Abschnitten.

   

 

Die Marmorberge von Da Nang.

 

Wir verzichtetenb auf den Besuch der Marmorberge und begnügten uns mit dem Betrachten der am Strassenrand zum Verkauf aufge-stellten Figuren. Steinmetze bieten Tiere und Götter in allen möglichen Größen an – für den Altar im Schlafzimmer bis hin zur überlebensgroßen Replika für den Springbrunnen. 600 Familien seien mittlerweile auf diese Arbeit spezialisiert. Das seien einfach zu viele für fünf Berge, deren Vorrat endlich ist. Deshalb hat die Regierung den Abbau von Marmor streng reglementiert und importiert das Material nun aus Kambodscha oder Pakistan. "Um die Tradition aufrecht zu erhalten".

 

So malerisch war es hier nicht immer. Vor mehr als 40 Jahren befand sich die Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem amerikanisierten Süden in der Nähe, die US-Truppen unterhielten einen Flugplatz unterhalb der Berge und sonnten sich in ihrer Freizeit am kilometerlangen Sandstrand, den sie China Beach nannten. 

 

Hoi An

 

Hoi An, oder die Stadt der Schneider, wie sie auch genannt wird, entpuppte sich als reiner Touristen Magnet. 

Dieses kleine, verschlafene Küstenstädtchen in Zentralvietnam liegt direkt am südchinesischen Meer. Einst war hier der grösste Hafen in Südostasien beheimatet. Heute gilt die historische Altstadt Hoi Ans als einzige, die im Vietnamkrieg nicht komplett zerstört wurde. Am eindrucksvollsten ist dieses Städtchen nach Einbruch der Dunkelheit. Dann leuchten die unzähligen, bunten Lampions in allen Farben und erhellen den umherschlendernden Menschen den Weg durch die hübschen, engen Gässchen. Ob Strassenkünstler, kleine Verkaufsstände oder der bekannte Nachtmarkt… hinter jeder Ecke lässt sich hier etwas Neues entdecken! Natürlich hat Hoi An auch tagsüber seinen Reiz. Bei Tageslicht kommt die so typische, sehr spezielle Architektur der Häuser viel besser zur Geltung. Mitten durch die Stadt fliesst der Thu Bon Fluss. Während einer einstündigen Flussfahrt mit einem der zahlreichen Ausflugsschiffe liessen wir die Landschaft in- und um Hoi An an uns vorüberziehen. Wir waren die einzigen Passagiere an Bord und so liess sich der Steuermann zum Rollentausch überreden: Ich als Steuermann, er als Tourist!  

Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Markt und mit Herumschlendern. Die vielen Schneidereien waren nicht zu übersehen und das Angebot war verlockend. Die feinen schönen Seiden-Stoffe taten ihre Wirkung und verlockten zur näheren Betrachtung! Es kam wie es kommen musste, Mass nehmen, anpassen, abholen. 

 

Das Wetter blieb in den nächsten Tage sonnig und immer so um die 30°C warm. Hier wollten wir einen längeren Stopp einlegen, um die Eindrücke der vergangenen Tage zu verarbeiten. Zwischendurch organisierten wir die Weiterreise und buchten das Hotel in der nächsten Destination Nha Trang.

Nha Trang

 

Montag, 14. November. Für die 10-stündige Fahrt von Hoi An nach Nha Trang organisierten wir Tickets für den Nachtbus. Ein komfortabler Reisebus mit ca. 40 Schlafsitzen. Um 18.00 Uhr würden wir abgeholt, der Bus fahre hier beim Hotel vor, so der Herr an der Hotelreception. Mit 2 Rollkoffern und 2 Rucksäcken standen wir bereit. Tatsächlich, pünktlich um 18 Uhr fuhr er vor. Allerdings nicht mit dem Bus, sondern mit dem Roller!! "One by one" (einer nach dem anderen) meinte der Fahrer, packte Anitas Koffer zwischen die Beine, sie hinten auf den Sozius  und weg waren sie! Es fing schon an einzunachten, ich stand mit meinem Koffer wartend auf dem Trottoir und amüsierte mich ob der vietnamesischen Originalität, die Dinge zu handhaben. Nach ca. 15 Minuten war er wieder da und brachte mich zum Sammelplatz der Überlandbusse, wo Anita schon wartete. Na ja, es geht doch, wenn zeitweilen auch etwas unkonventionell!

 

Zusammen mit ca. 40 "Backpackers" (jungen Rucksacktouristen) aus allen Herren Länder, richteten wir uns ein für die 11-st¨ündige Fahrt nach Nha Trang. Die Fahrt auf den Strassen der Küste entlang war "abwechslungsreich". Mal angenehm, mal auch wieder etwas holprig. Vor allem dann, wenn der Chauffeur im Schritttempo durch die "Bombenkrater" balancierte. Da war festhalten angesagt um nicht aus dem Bett zu rollen! Wir fanden diese Art des Reisens trotzdem interessant und genossen die Fahrt. Ein paar Mal hielt der Fahrer an, wer wollte konnte auf die Toilette oder sich im Roadcafé verpflegen.

Um 5.30 Uhr morgens die nächste Überraschung. Kaum hielt der Bus, belagerten die "Taxifahrer" den Ausgang, rissen die Koffer an sich um die in grosser Zahl anwesende Konkurrenz auszuschalten. Ich hielt meinen Koffer fest und wollte zuerst wissen, was die Fahrt ins Hotel kosten sollte. Das "up to you" (das können Sie bestimmen). Also los. Natürlich war weit und breit kein Taxi in Sicht, dafür eine Menge Mofas. Im Konvoi mit 3 Mofas, der Hinterste hat sich noch meinen Koffer geschnappt, ging die rasante Fahrt los durch den frühmorgendlichen Verkehr Richtung Hotel. Hat alles tipp topp geklappt. Am Schluss wollte wie üblich, jeder der 3 Fahrer ein wenig mehr. Feilschen gehört hier zum Geschäft und so einigten wir uns auf umgerechnet 2 Schweizer Franken pro Fahrer.

 

Nha Trang ist bekannt für seinen kilometerlangen Sandstrand. Mit seinen parzellierten Liegeplätzen ähnelt er ein wenig den bekannten Badeorten in Italien. Für uns war Nha Trang nur ein Stoppover auf dem Weg nach Saigon. Die Temperaturen lagen um die 30° C und es war sehr schwül. Geschätzte 95% der Gäste waren Russen, die hier ihren Urlaub verbrachten. Alles war russisch angeschrieben inkl. der Speisekarten in den Restaurants. Die Ausrichtung der Angebote war dementsprechend. Bars, Restaurants, Massagesalons etc. Mit riesigen, sich im Bau befindenden Hotelkomplexen dem Strand entlang, wird in die Zukunft investiert. Trotz der Attraktivität waren die Preise moderat und vergleichbar mit denen in Hanoi oder Saigon.

 

Drei Tage genossen wir das Strandleben, bevor wir einen Weiterflug nach Ho Chi Minh City, oder wie die Einheimischen immer noch zu sagen pflegen "Sai Gon". Der einstündige Flug mit Vietnam Airlines brachte uns schliesslich an den letzten Ort unserer Reise. 

 

 

Ho Chi Minh City

 

Vom Flughafen in die Stadt waren es nur ca. 7 km, mit dem Taxi 30 Minuten .

Saigon ist mit 8.2 Millionen die grösste Stadt in Vietnam. Auch hier ist das meist verwendete Transportmittel der Roller. Viele schöne Kolonialbauten der Franzosen sind noch überall vorhanden. Touristenattraktionen sind der Ben Thanh Markt, das Kriegsmuseum, die Oper, das ehemalige Postamt, die Nachbildung der Notre Dame Basilika und der Botanische Garten mit dem Zoo. Die meisten Touristen unternehmen von Saigon aus Touren ins Mekongdelta zum Schwimmenen Markt oder zu den Cu Chi-Tunnels. Wir haben die Sehenswürdigkeiten in der Stadt zu Fuss besucht. Der Ben Thanh Markt ist für Europäer sehr interessant. Alles Erdenkliche wird hier versucht an den Mann/Frau zu bringen. Man wird bedrängt und begrabscht und beredet! Auch hier gilt: Vergleichen und feilschen. Lange hält man es im Innern ohnehin nicht aus, es wird weder gekühlt noch belüftet. Die hohe Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen über 30° C bringen einem schnell zum Dampfen.

 

 

Wie man hier von Verstorbenen Abschied nimmt.

Am zweitletzten Tag in Saigon hatten wir noch Gelegenheit mitzuverfolgen, wie die Abschiednahme eines Verstorbenen vor sich geht.

Vor dem Haus des Verstorbenen fuhr ein reich geschmückter Leichenwagen vor. Ein paar weiss gekleidete Männer bereiteten eine kurze Zeremonie vor, die von einer Musikband begleitet wurde. Für meine Begriffe eher eine "Guggenmusig".  Zuerst waren nur ein paar "Schlagzeuger" da, nach und nach gesellten sich noch andere Musikanten dazu. Es tönte immer lauter und schräger. Man sieht das hierzulande nicht so eng. Der Trompeter behielt den Motorradhelm gleich auf dem Kopf! Die Literatur die gespielt wurde, liess meines Erachtens auch zu wünschen übrig. Es sei denn, man kennt hier für das erste gespielte Stück andere Worte. Bei uns ist die Melodie bekannt als: "Oh Susanne wie schön ist doch die Welt" oder ..."Wäge dämm muesch du nid truurig si, wäge däm.... wäge dämm ... wäge dämm...!

Nach ein paar Minuten war alles vorbei und der aufgehaltene Verkehr konnte wieder rollen.

Im Kriegsmuseum beschäftigten wir uns ausgiebig mit der Geschichte der 17 Kriegsjahre. Wie jedesmal, fragten wir uns auch hier wieder, wieso lernt der Mensch nie aus der Geschichte?!.  

Das fragten wir uns zum Beispiel auch nach dem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz/Birkenau im Sommer. Immer noch gibt es in Vietnam missgebildete Kinder als Resultat von "Agent orange", dem Entlaubungsgift, das die Amerikaner hier einsetzten. 17 Jahre Krieg und nur Verlierer auf der ganzen Linie! Hänschen hat nichts gelernt...Irak....Afghanistan...Syrien...!

Schon seit Jahrhunderten vor Christus, wurde Vietnam von verschiedenen Dynastien und Herrschern regiert. China hat seinen Einfluss hinterlassen und die Franzosen als Kolonialmacht wurden 2 Mal vertrieben. Im 2. Weltkrieg besetzte Japan das Land. Seit 1975 ist nun Ruhe eingekehrt. Wenn man mit den Leuten hier ins Gespräch kommt fällt einem auf, dass ein Rest Angst vor dem grossen Nachbar China immer vorhanden ist. 

Cu Chi -Tunnels

 

Um das Wissen des Vietnamkrieges nach diesem geschichtsträchtigen Nachmittag zu vertiefen, planten wir für Montag einen Besuch der Gegend um Cu Chi. Hier haben die Vietcong den legendären, über 300 km langen Tunnel unter den feindlichen Linien der Amerikaner hindurch gebaut. Obschon viele Anbieter von Saigon aus dorthin fahren, meinte Bao, unser Guide aus Hanoi, den wir kurz angemailt haben, ein privater Fahrer sei angenehmer und flexibler. Er organisierte uns sogleich einen Fahrer für die nächsten 3 Tage. Offenbar ein Freund von ihm, den er auch gleich instruierte was er uns alles zeigen soll auf der Fahrt. Super Service!

Pünktlich um 9 Uhr stand der Fahrer vor dem Hotel. Wir quälten uns durch den morgendlichen Verkehr zur Stadt hinaus und kamen um die Mittagszeit in Cu Chi an. Mit Händen und Füssen machten wir mit dem Fahrer ab, dass wir in ca. anderthalb Stunden wieder hier sein würden. Wir schlossen uns einer Gruppe junger Spanisch und Englisch sprechender Leute an, die mit einem Englisch sprechenden Guide unterwegs waren. Hier erfuhren wir alles über die Hässlichkeiten des Krieges und die Methoden, die auf beide Seiten angewendet wurden.

"Jeder ein Kämpfer", war die Devise Ho Chi Minhs. Die Frauen spitzten Bambusstangen in allen erdenklichen Längen und Grössen. Damit wurden Fallen gebaut und Fallgruben bestückt. Die Männer bastelten Minen mit amerikanischem Material. Zum Beispiel zersägten sie nicht explodierte Bomben der Amerikaner und bestückten ihre Minen mit dem so gewonnenen Pulver. Unter einem Dach konnten viele dieser selbst gebastelten Fallen und Waffen besichtigt werden.

 

Vor allem interessierte mich der Tunnel. Das muss man sich vorstellen, über 300 Kilometer lang, 6 Meter unter der Erde und unter dem Feind durch, ohne bemerkt zu werden! In diesen Tunnels transportierten die Vietnamesen Waffen, Munition und Essen. Kurz, alles was nötig war. In einigen Abständen wurden kleine Lüftungslöcher gebohrt. Diese brachte man am Fusse von selbstgebastelten Termitenhügeln an, um die Amis zu täuschen.  

Wer nun glaubt, einfach durch diese Tunnels spazieren zu können, irrt gewaltig. Auf dem Rundgang durch den Urwald passierten wir diverse Stationen mit nachgestellten Fallgruben, Werkstätten und allerlei Einrichtungen, um einem das Leben im Busch von damals näher zu bringen.  So ist auch ein Teil der Tunnels für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Wer hinuntersteigen möchte kann das tun, meinte unser Guide. Allerdings nicht ohne vorher erklärt zu haben, dass niemand hier heruntersteigt, der mentale Schwächen, Atem- , Herzprobleme oder -schrittmacher, Platzangst oder sonstige konstitutionelle Mängel aufzuweisen habe. Ja...ja...ja.. dachte ich, Geschwafel, um die Sache interessant zu machen. Es sei alle ca. 25 m ein Notausstieg angebracht worden. Der Ausgang sei dort drüben und zeigte irgendwo in den Busch. Also los ging``'s. Die Treppe hinunter über 3 Ebenen und dann kauern. Halb kniend, in ungesunder, gebückter Haltung robbten wir vorwärts. Schon bald wurde mir klar, das ist nicht für jedermann! Vor mir eine junge Engländerin- oder Amerikanerin, die dauernd jammerte "oh my God". Mir ging es nicht besser. Es war heiss und stickig. Zeitweise kam ich mir vor wie ein Klappstuhl, der sich verlaufen hatte. Der Guide hat erst nachher erklärt, dass extra kleine Vietnamesen eingesetzt wurden für die Verschiebung in den Tunnels. Die Vietnamesen sind ohnehin schon viel kleiner und zierlicher als wir Europäer. Jedenfalls habe ich beim zweiten Notausstieg die Katakomben verlassen. Klatschnass und schweisstriefend. Schliesslich musste ich mir mit meinen 70 Jahren nichts mehr beweisen!

Jetzt wusste ich wie es sich angefühlt haben muss, mit Material und Waffen durch diese Tunnels zu robben. Stundenlang und ohne Licht. Während der Regenzeit hätten sich viele Schlangen und Skorpione und allerlei anderes unliebsame Getier in den Tunnels aufgehalten. Viele Todesfälle habe es dadurch gegeben, erklärte unser Guide. Mich hatte die Welt wieder und darüber war ich froh!

 

Auf einer Station konnte mit allen Gewehren, die von den Amerikanern benutzt worden sind, geschossen werden. Das Maschinengewehr- Geknatter war weit herum zu hören. Darauf habe ich allerdings verzichtet. Irgendwie fand ich das nicht angebracht.

Nach 2 Stunden erreichten wir den Ausgang, wo bereits unser Fahrer wartete.

Cu Chi, eine interessante Erfahrung in einer Sache, die man aus der Ferne über Jahre mitverfolgt hat. 

Can Tho 

 

Dienstag, 22. November. Um 07.30 Uhr stand unser Fahrer vor dem Hotel für den 2-tägigen Ausflug ins Mekong Delta. Eine vegetationsreiche Gegend in der alles spriesst, was man in den Boden steckt. Riesige Reisfelder säumten beide Seiten der Strasse. Wir passierten viele Orte und sahen einmal mehr, wie ärmlich die Menschen hier leben. Auf den Gehwegen vor den Häusern wird Fleisch zerhackt, werden Motorräder repariert, es wird gekocht und gegessen. Das Leben spielt sich sozusagen auf der Strasse ab. Und immer mittendrin in parkierten Motorrädern und begleitet vom nie verstummenden Verkehrslärm.  

 

Durchzogen von vielen kleinen Wasserläufen schlängelt sich der Mekong dem Südchinesischen Meer zu. Genau genommen existiert der 4500 km lange, in Tibet entspringende Mekong, in seiner ganzen Breite nur von Kambodscha her kommend bis an die Grenze zu Vietnam. Danach spaltet er sich auf in neun Hauptarme. Interessant zu wissen ist, dass das Delta an manchen Stellen täglich bis zu 20 cm wächst!

Unser Ziel war die Löweninsel, inmitten des grössten Mekongarmes, dem Tien Giang.

Ein altes Motorboot brachte uns zusammen mit einer jungen Guide über den Fluss. Während zweier Stunden durchwanderten wir die Insel und besuchten eine Bienenfarm, wo in einem kleinen Betrieb Honigprodukte hergestellt werden. Bei einem Glas Grüntee hatten wir Gelegenheit, die verschiedenen Produkte zu probieren und natürlich zu kaufen. Der Weg führte weiter zu einem Kanal, wo wir das Boot bestiegen, in dem wir durch die Wasserkokos-Palmen gerudert wurden. Ein Angebot einheimischer Familien, um die Haushaltskassse aufzubessern.  Es folgte ein Besuch in einem Betrieb, wo Kokosnüsse verarbeitet werden. Auch hier versucht man natürlich die Ware an den Mann zu bringen. Eine "Win-Win" Situation, die Süssigkeiten waren nämlich sehr lecker! Abgerundet wurde der Besuch mit einer musikalischen Darbietung einheimischer Musikanten und Sängerinnen.

Sicher brachte uns der Bootsführer wieder aufs Festland, wo wir uns von unserer charmanten Begleiterin verabschiedeten.

  

My Tho

 

Auf der Weiterfahrt nach Can Tho besuchten wir in My Tho die 1849 erbaute Vinh Trang-Pagode. Der älteste Tempel im Delta. Bekannt durch die hausgrossen Statuen, darunter die von 16 Heiligen. Wir besichtigten die Anlage noch bei schönem Wetter, doch plötzlich zog ein Gewitter über uns her mit gewaltigen Regenfällen.

Im "Mekong Rest Stop" legten wir einen Kaffeehalt ein. Eine wunderschöne Anlage mit viel Wasser, Brücken und einer üppigen Flora. 

 

Anderthalb Stunden später haben wir das von uns im Internet gebuchte Hotel bezogen. Von hieraus wollten wir früh am nächsten Morgen zum Schwimmenden Markt von Cai Rang fahren.

Der schwimmende Markt von Cai Rang

 

Am Morgen um 07.30 Uhr standen wir, wie mit unserem Fahrer verabredet, vor dem Hotel. Zügig ging die Fahrt rüber zur Bootsanlegestelle. Wir zwei waren im Moment die einzigen Passagiere und so kamen wir wiederum in den Genuss einer privaten Schifffahrt. Der Konkurrenzkampf unter den Bootsfahrern ist gross, es wird nicht lange gefackelt, wer das Schiff entert wird sofort gefahren, bevor er es sich anders überlegt. Die Fahrt dauerte gegen 2 Stunden. Eigentlich hatten wir uns den Markt etwas anders vorgestellt. Anstatt der kleinen Ruderbooten fanden wir grosse Kähne vor, von denen aus die Ware verschoben wurden. Es war trotzdem sehr interessant. Unser Schiffsführer lenkte das Boot langsam durch das Gewühl der Schiffe hindurch, so dass wir Einblick bekamen was hier wie transportiert und verschoben wird. Für die meisten Bootseigner bedeutet das Schiff Arbeitsstätte und Wohnung in einem. Schon die Fahrt entlang dem Ufer war die Reise wert. Hier sah es allerdings noch viel ärmer aus. Primitive Verschläge auf Stelzen wurden aus Platzmangel in den Fluss hinaus gebaut. Überall weggeworfener Plastik, Kunststoff. Müll halt. Die meisten auf dem Fluss verkehrenden Schiffe bräuchten seit längerem eine Überholung. Es ist allgegenwärtig, dass das Geld für Renovationen überall fehlt. 

Die Vietnamesen sind ein fleissiges Volk! Alles wird verwertet oder repariert und es wird improvisiert bis zum Gehtnichtmehr. Zwischen den Behausungen am Ufer konnten viele Betriebe ausgemacht werden. Sägereien, Werften, Sand- und Kies Firmen etc.. Interessant waren die Antriebe der Boote. Bis zu einer gewissen Grösse verwenden alle das gleiche System. Ein langes "Stevenrohr", das ist die Welle zwischen Motor und der Schraube, ein Drehgelenk und ein Motor hinten drauf, fertig. Die Welle wird einfach ins Wasser getaucht und schon geht es los.

Bei den kleinen Schiffen habe ich "Rasenmähermotorli" beobachtet, grössere Schiffe verwendeten Dieselmotoren in allen Grössen und Marken. Wobei die meisten, meiner Beurteilung und dem Zustand nach, den ersten Weltkrieg nur knapp verpasst haben! 

Man hätte eine mehrtägige Fahrt auf dem Mekong buchen können, Bao, unser Guide aus dem Norden, riet uns aber davon ab. Das Leben am Fluss sei überall ungefähr das selbe.

 

Das Leben am-  und auf dem Fluss... ein faszinierendes Erlebnis für uns, das Eindrücke hinterlässt!

2 Film- / Fotostrecken mit Samsung Handy S6 aufgenommen

 

Zur Vollansicht auf Youtube klicken.

 

 

 

 

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In Ho Chi Minh City ist nun unsere Reise zu Ende. Am Montag, 29. November fliegen wir wieder zurück über Singapur nach Zürich.

Die letzten paar Tage dienten zum Ausspannen und um die Stadt vertiefter kennen zu lernen.

Wir haben die Vietnamesen kennen gelernt als ein fleissiges, freundliches, genügsames und fröhliches Volk. Zu keiner Zeit fühlten wir uns in irgendeiner Weise bedrängt oder bedroht. Die Faszination, die dieses Land auf uns ausübte, ist "das Andere". Vieles ist nicht wie wir es gewohnt sind. Es ist unkompliziert und nicht mit Regeln und Gesetzen durchzogen... und es funktioniert trotzdem. Ein typisches Zeichen wie man hierzulande miteinander umgeht, zeigt sich eindrücklich im Strassenverkehr. Jeder fährt durch wonach es ihn gelüstet. Mal von links, Mal von rechts oder quer über die Strasse. Keiner drängelt oder zeigt den Vogel.... man bremst ab und lässt passieren! Rücksichtnahme und Respekt nennen wir das. 

Undenkbar was passieren würde, wäre nur einer unserer europäischen "Sturköpfe" darunter: "Ich fahre einen Offroader, ich bin stärker"!

 

Wir haben in den 5 Wochen reisen durch Vietnam (mit Bus, Motorrad, Eisenbahn, Flugzeug, Schiff und zu Fuss) keinen einzigen Unfall gesehen! 

 

Wer die üblichen Regeln als Gäste in einem fremden Land  beachtet, wird in Vietnam ein wunderbare Zeit erleben!

 

 

 

 

Und zum Abschluss: Unser 40. Hochzeitstag über den Dächern von Saigon. 

 

 

 

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