Marokko und Spanien

 

7. April - 23. Mai 

 

   

 

 

 

Bannwil - Locarno

 

Die Reise nach Spanien über die Autobahn Richtung Genf und Lyon erschien uns plötzlich zu langweilig und so entschlossen wir uns kurzum für die Strecke über das Tessin und entlang der Côte d'Azur. Unser erster Stopp war Locarno, der Kamelienblüten wegen. Nach der Rundfahrt mit dem Radl und der obligaten Pizza, übernachteten wir auf dem hiesigen Stellplatz.

 

 

In Sanremo benutzten wir den kostenlosen Stellplatz direkt am Meer als Stopover.

 

 

Kostenloser Stellplatz in Sanremo   GPS   N 43°48'11.00''   O 7°44'46.00''

 

 

 

Weiter ging es anderntags durch Monaco nach Arles, unserem nächsten Übernachtungsplatz auf dem City Camping. Am nächsten Morgen fuhren wir hinunter nach Saintes-Maries-de-la-Mer, im Nationalpark der Camarque, wo wir eine Fahrt mit dem Schiff durchs Naturreservat unternahmen.

 

Sainte-Maries-de-la-Mer und mit dem Schiff auf der kleinen Rhone

 

 

Noch am selben Abend  fuhren wir durch bis Narbonne zum Übernachten. Auf dem riesigen Parkplatz der angrenzenden Supermärkte verbrachten wir eine ruhige Nacht.

 

 

Kostenloser Stellplatz in Narbonne    GPS  N 43°10'49.00''   O 3°01'42.00''

 

 

 

Die Route nach L'Ampolla am Ebrodelta, wo wir momentan verweilen, wählten wir weit durch das Landesinnere über die Berge hinter Barcelona, alles über Nebenstrassen. Wir wollten die berüchtigte Gegend um Barcelona sowieso meiden, weil dort alle Tricks zum Ausrauben angewendet werden. Gerade in der letzte Woche wurde Bekannten von uns ein Pneu zerstochen auf einer Raststätte. Als dann auf der Autobahn die Luft raus war, waren die "Helfer" sofort zur Stelle. Glücklicherweise haben sich die Bekannten im Auto eingeschlossen, bis die alarmierte Polizei kam, sonst wären sie ausgeraubt worden. Eine der alten Maschen, die uns "alten Wanderhasen" bekannt ist.

Kurz vor acht Uhr erreichten wir den uns bekannten Campingplatz in L'Ampolla. Leider haben wir nicht mit dem Andrang über Ostern gerechnet, der Campingplatz war völlig ausgebucht! Nur 2 Nächte konnten wir ergattern. Seit heute Morgen campieren wir draussen auf dem Modellflugplatz, den Reist's, unsere Bekannten hier in L'Ampolla,  betreuen. Es sind um die 40 Flügerler mit Anhang aus der Schweiz und Europa anwesend, die hier 10 Tage Flugferien verbringen. Es wird also nicht langweilig. 

 

 

 

13. - 19. April

 

Und so kam es auch. Umgeben von Mandarinen- und Olivenplantagen, kilometerweit vom nächsten Dorf entfernt, installierten wir uns. Ein besonderes Erlebnis war jeweils der Sonnenaufgang, wenn sich die rote Kugel langsam am Horizont erhob und die Gegend in ein oranges Licht tauchte. Noch ein paar Minuten warten bis die Sonne den Wagen erwärmt hat, dann ist es Zeit zum Aufstehen.

Täglich reisten nun neue Piloten an. Aus Tschechien, Lanzarote, Spanien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und der Niederlande. Geflogen wurde von früh bis spät. Zur Hauptsache wurde Segelflug betrieben. Grosssegler, keiner unter 6 m Spannweite.  Die meisten wurden mittels Schleppflugzeug hochgezogen. Viele verfügten über einen eigenen Antrieb. Elektrische Klapptriebwerke oder Impeller. Meistens wurde man schon um 9 Uhr morgens vom ersten Schlepp aus den Federn geholt. 

 

 

Nun sind wir bereits eine Woche hier draussen im katalanischen Outback und geniessen die spanische Sonne. Mit einer Paella, gekocht vom Chefkoch Pedro, alias Präsident des hiesigen Modellclubs, fand unser Aufenthalt einen würdigen Abschluss.

 

 

Granada

 

Die nächste Destination die wir anpeilten, war Granada. Auf dem kostenlosen Stellplatz der Gemeinde Ibi, ungefähr auf halber Strecke, verbrachten wir eine ruhige Nacht. Kurz nach Mittag erreichten wir den Camping “Sierra Nevada“ in Granada, nahe der Sadtmitte. Wir wollten sofort Tickets zum Besuch der bekannten Alhambra, der arabischen Anlage und Touristenmagnet par exellence, besorgen. Der Linienbus brachte uns in die Altstadt. Leider waren alle Tickets für die nächsten Tage schon vergeben. Die Osterferien machten sich auch hier bemerkbar. Viele Urlauber drängten sich durch die engen Gassen der Altstadt. Kurzfristig buchten wir eine Stadtrundfahrt mit einem dieser kleinen Sightseeing-Bähnli. Wir benutzten die Hopp-on, Hopp-off Möglichkeit, um einige Sehenswürdigkeiten näher zu betrachten. Die Altstadt von Granada ist sehr verwinkelt, viele kleine Plätze mit netten Beizlis sind durch sehr enge Gassen miteinander verbunden. Da wir nun die Alhambra nicht besichtgen können, beschlossen wir, am nächsten Morgen weiterzuziehen.

 

Schliesslich wollten wir ja nach Marokko und Granada lag einfach nur auf dem Weg. Vielleicht klappt es ein anderes Mal.

Ach ja, bei der nächsten Tankstelle noch schnell den Gastank auffüllen, denn in Marokko soll dies nicht mehr möglich sein.

 

 

Stellplatz Ibi    Gps:    N 38°37'19.80''  W 0°33'59.81''

 

Campingplatz ''Sierra Nevada in Granada''    Gps: N 37°11'52.71"   W 3°36'42.12"

 

 

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Und als Einschub noch die unglaubliche Geschichte.
(Andere Länder, andere Sitten)

Nun begann das Abenteuer! Es begann mit der Suche nach dem legendären Ticket-Office von Carlos, welches im WoMo-Forum beschrieben war. Der soll günstige Tickets für die Überfahrt nach Tanger verkaufen!

Der Wegbeschrieb beinhaltete unter anderem die Standorte von Carrefour, Lidl und Mc Donalds.
Wir irrten kurz in den Kreiseln nach der Ausfahrt Nr.112 umher, fanden aber Lidl nicht, von dem aus man das Office von Carlos hätte sehen können. Kunststück, Lidl ist nämlich in der Zwischenzeit umgezogen. Beim Herumkurven trafen wir unten am Meer einen Musiker aus dem Thurgau, der hier mit seiner Gitarre herumtingelt. Dieser hatte die Koordinaten von Carlos in seinem Handy gespeichert, ein Glücksfall!

Schon bald standen wir in Carlos Büro und wünschten ein Ticket nach Tanger mit der Fährgesellschaft FRS, die uns im WoMo-Forum empfohlen wurde. FRS ist die marokkanische Fährgellschaft, sie soll zuverlässig sein. Carlos hantierte mit dem Computer, lamentierte und druckte uns die Tickets für die Überfahrt am nächsten Morgen 10.00 Uhr aus. Er drückte Anita noch ein Cadeau in Form einer Flasche Vino Tinto und einem Schoggicake in die Hand.

Bei seiner Erklärung der Modalitäten bemerkten wir, dass die Überfahrt auf die spanische Gesellschaft Balearia gebucht war! Das sei alles gleich teuer und die würden sowieso erst um 12 Uhr fahren. Überhaupt sei die Überfahrt im Moment wegen des starken Windes nicht gewährleistet. Also liessen wir es damit gut sein und machten es uns auf dem kostenlosen Stellplatz in der Nähe seines Büros in Los Barrios gemütlich. Am nächsten Morgen wollten wir früh im Hafen sein, um dem Gewirr kurz vor dem Einschiffen zu entgehen. Bereits um 07.45 Uhr waren wir da und reihten uns ein auf dem grossen Platz. Wir hatten viel Vorsprung und holten das Frühstück ausgiebig nach. Zeit hatten wir ja, viel mehr als uns lieb war, wie sich herausstellte!
Das Schiff am 10.00 Uhr sei bereits voll, wir sollen auf das nächste warten. Es werde wahrscheinlich 12 Uhr werden. Was soll's, warten wir halt. Auf dem Platz standen ein paar Hundert Autos und Motorräder. Es wurde 12 Uhr und nichts tat sich. Kein Schiff in Sicht. Alle Fragen wurden von den Funkgeräteträgern mit einem Achselzucken beantwortet.
Man weiss nicht was los ist, wo das Schiff bleibt, wann es kommen würde. Ab und zu meinte man, es sei wegen dem Wind. Komisch, die anderen Fährgesellschaften hatten da kein Problem. Nur in den Reihen der Balearia tat sich nichts. Nun warfen wir die Bordküche an, brutzelten Fleischspiessli mit Kartoffelstock, dazu Salat und damit war für uns die Welt so in Ordnung. Es tat sich immer noch nichts, also genehmigten wir uns noch einen Kaffee und dazu eine Kostprobe von Carlos Schoggi-Cake. Zwischendurch immer wieder ein Blick hinunter zu den Gates..., immer noch nichts. Um 16 Uhr soll es nun kommen... aber es kam nicht!


Ein Passant zerrte auch noch an unseren Nerven mit dem Spruch, dass er schon seit 3 Tagen hier stehe und warte. Er habe sich in der Zwischenzeit im nahe gelegenen Hotel einquartiert. Aber schon die nächste erfreuliche Nachricht: 19.30 Uhr sei nun der Termin.Mit einer halben Stunde Verspätung trudelte das Schiff nun tatsächlich ein. Man hat uns gewarnt vor der spanischen Unzuverlässigkeit, was wir nun erfahren mussten. Langweilig war es trotzdem nicht. Es gab so vieles zu beobachten auf dem grossen Parkplatz. Es ist kaum zu glauben, was die Marokkaner alles in- und auf die Autos packten. Mancher hatte mehr Volumen auf dem Dach als das Auto selber aufwies. Zwischen den Autos wurde der Gebetsteppich ausgerollt oder auch nur ein Kartondeckel, worauf die Gläubigen ihr Gebet zelebrierten. Dabei war zu beobachten, dass die Richtung nach Mekka unterschiedlich interpretiert wurde. Überhaupt nahmen die Leute die Warterei ziemlich gelassen, alberten herum und lachten bis in die Nacht hinein. Wir haben ja Zeit, aber nun kommen wir anstatt wie geplant am Mittag, in der Nacht in Marokko an. Was soll's, wenn wir nur endlich drüben wären. Damit liess man sich aber wiederum Zeit. Der Auslad der Fähre gestaltete sich wiederum langwierig. Auto um Auto wurde kontrolliert und das an nur einem Gate!


Aber dann... das rote Kreuz am Gate der Balearia wechselte von rot auf grün. Allgemeine Hektik machte sich breit. Motoren wurden gestartet, Leute rannten zu ihren Autos. Auch in den hintersten Reihen, wo bestimmt noch langes Warten angesagt ist. Wiederum wurde Auto um Auto kontrolliert! Am Gate der Polizei, am Gate Zollbehörde. Aber dann.... endlich aufs Schiff fahren und parkieren. Das war doch schon was nach mehr als 12 Std. warten. Freude machte sich breit... für einen Moment. Aus dem Lautsprecher ertönte die Aufforderung, dass auf dem Schiff der Pass abgestempelt werden muss. Also zur Passkontrolle. Da standen alle Passagiere, in einer sehr langen Reihe. Unser Platz war am Ender der Schlange bei ca. 25 m. Die Marokkaner haben das gewusst und und waren halt schon alle da. Die Warterei war mühsam. Ein einziges Männlein war am Desk vorne und töggelete die Pass-Daten in den Computer! Alle Passagiere standen Schlange. Was für ein System! Es dauerte etwas mehr als eine Stunde, dann waren auch wir dran. Hinter uns eine Kolonne, deren Ende nicht absehbar war. Im Café liessen wir uns in die Poltersessel sinken. Die Müdigkeit machte sich langsam bemerkbar. Ziemlich genau um Mitternacht liefen wir endlich aus und erreichten Marokko so gegen 01.30Uhr. Geschafft, dachten wir, lagen aber weit daneben! Vom Schiff kamen wir rasant, zeigten weiter vorne kurz den Pass und fuhren zügig auf der breiten Strasse die Steigung hoch. Immer dem Wegweiser Exit folgend. Mit dem Exit war aber nichts. Rote Signallampen tauchten auf, irgendwelche Gates, die unbesetzt waren wurden passiert und dann wurden wir von mehreren Beamten eingewiesen, lautstark und in verschiedene Richtungen gleichzeitig. Schliesslich einigte man sich, dass unser Fahrzeug zu gross sei, um hier kontrolliert zu werden. Wir sollen weiterfahren bis draussen zum Zaun. Das System ist noch nicht ganz ausgereift, hatte ich das Gefühl. Es stellte sich heraus, dass ein einziges Mannli, mittlerer Statur und mit einer goldenen Mütze, auf dem Platz das Sagen hatte. Lautstark aber ziellos. Wir waren bei den ersten auf dem Platz, wurden aber gefliessentlich übersehen. Der Mann fertigte sämtliche Autos alleine ab! Einmal vorne in der Kolonne, dann wieder hinten oder in der Mitte. Auto für Auto verlangte er die Zollpapiere, schlenderte zum Office zurück, kam dann irgendwann wieder zurück, holte die Papiere vom nächsten Auto und so weiter. Dann holte er die Papiere vom vorigen Auto und brachte sie zurück. Zwischendurch veranstalteten die wartenden Autos ein solidarisches Hupkonzert und taten so ihren Unmut kund. Scheinbar ohne Wirkung auf die Zollbeamten.. ..


Ich stand da und wartete und wartete. Versuchte in der Zwischenzeit, das hier angewendete System zu verstehen, durchspielte in Gedanken allerlei Szenarien, kam aber auf keinen Nenner! Der Wind blies nun stark, ich stand da mit meinen Papieren in der Hand, fror und.... wartete. Inzwischen ist der ganze Pulk vom Hafen her angekommen und die Beamten hatten alle Hände voll zu tun. Es kam nämlich noch einer dazu mit einem goldenen Hut. Nach mehreren Hupkonzerten und anderthalb Stunden später stand das goldene Männlein plötzlich vor mir, nahm die Papiere und verschwand im Office. Dann fertigte er munter andere Autos ab. Ich holte Anita, die inzwischen auf dem Beifahrersitz eingeschlafen war. Sie muss das goldene Männlein auf französisch fragen, was nun eigentlich Sache sei.... Er beachtete uns nicht und wir folgten ihm auf den Fersen zum Office und zurück zu den Autokolonnen. Er war nicht ansprechbar, weil er das Handy am Ohr hatte und neue Wagenpapiere in der anderen Hand. Also ihm nach zurück zum Office! Dann die Gelegenheit, Anita fragte, wie es weitergehen soll. Es seien da Probleme mit der Nummer im Pass, die auf dem Schiff reingestemplt wurde. Die müssten wir da vorne bei der Polizei bestätigen lassen. Da unten bei den ersten Gates, die wir passiert hätten. Aha, kein Problem. Also zurück zu dem Häuschen am ersten Gate. Da war aber niemand, alles dunkel. Also wieder zurück zu dem goldenen Männlein. Doch, doch, wir sollen nur da unten warten. Wieder zu den Polizei Gates. Da standen jetzt ein paar verzweifelte Franzosen und Portugiesen mit dem selben Problem. Der ganze Tross also wieder zurück zum Männlein. Der führte uns in ein Office und wies die dortigen Damen an, unsere Nummern zu kontrollieren. Wunderbar, geht doch. Denkste! Die Damen erläuterten uns, dass sie vom Zoll seien, dies sei aber ein Problem der Polizei! Langsam kam mir der Verdacht, dass das Männlein den goldenen Hut wohl auf dem Flohmarkt erstanden haben muss! Ein herumstehender, schwarz gekleideter Beamter winkte uns, wohl aus Erbarmen ob unserer Ratlosigkeit, wir sollen ihm folgen. Also wieder hinunter zu den Polizei Gates, die immer noch nicht besetzt waren. In einem Container an Rande der Platzes fand er einen schlafenden Beamten, weckte ihn und erklärte unser Problem. Widerwillig sammelte der alle unsere Pässe ein und studierte sie ausgiebig. Schlaftrunken musste er wahrscheinlich warten, bis sich bei ihm das Bild einstellte. Nun wählte er eine Nummer, wo lange niemand quittierte. Dann fotografierte er alle Stempel mit den Nummern in den Pässen und schickte sie per WhatsApp irgendwohin. Dann folgte von der Gegenstelle ein Telefonat, wo nun noch einmal alles geschildert wurde. Schliesslich war alles in Ordnung.

 

Wir sollen ihm folgen. Wieder hoch zur Zollstation, wo er uns die Pässe aushändigte. Es sei alles in Ordnung. Das hätte er auch unten im Container sagen können, wollte nun aber offensichtlich Präsenz markieren. Nicht dass jemand auf den Gedanken kommen könnte, dass er womöglich geschlafen hätte! Also wieder zum goldenen Mannli und teilten ihm mit, dass alles in Ordnung sei mit dem Pass. Ja wo denn eigentlich unser Problem sei, fragte er. Jetzt verstand ich gar nichts mehr, war er und niemand anderes als er doch die ganze Zeit das Problem. Von den Zollpapieren, die er vor ungefähr anderthalb Stunden vorher von uns eingesammelt hatte, wusste er auch nichts mehr und musste sie noch suchen. Wieder folgte ein Hupkonzert, dann tauchte er mit dem Papieren auf, warf noch einen letzen Blick in meinen Pass und scheuchte uns dann mit einer Handbewegung weg. So, geht doch! Nichts wie weg hier. Grad hatte ich den 2. Gang eingelegt, schon wieder eine Schranke: Polizeikontrolle! Das war der Moment, wo ich mir Gedanken gemacht habe, ob es wohl nicht sinnvoller wäre, den Pass aussen am Rückspiegel zu befestigen! Er ist eh mehr draussen als im Auto.

Das wars dann aber. Nach ca. einem Kilometer fanden wir einen grossen Parkplatz, machten die Luken dicht und legten uns schlafen. Zeit: 03.30 Uhr. Noch beim Einschlafen hörten wir in der Ferne das Hupkonzert der vielen, noch Wartenden an den Schranken. Uns doch egal...

 

Solche Prozedere kannten wir aus früheren Zeiten, als wir Afrika von unten nach oben in der ganzen Länge durchreisten. Irgendwie geht es immer weiter. Wir amüsierten uns trotzdem und betrachteten dies als Abenteuer.

 

Übrigens jetzt habe ich das mit dem System doch noch herausgefunden. Es heisst kompetenzdiszipiertes Chaos! Es ist sehr anspruchsvoll in der Anwendung und lässt viel Interpretationsspielraum.

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Impressionen beim Einschiffen in Algeciras. Unwahrscheinlich, was alles nach Afrika hinüber geschleppt wird. 

 

Moulay Busselham

 

Nach dem Frühstück gegen 8 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Rabat. Die Sonne schien, es war warm und die Welt war wieder in Ordnung. Der uns empfohlene Campingplatz in Moulay Busselham entpuppte sich als Bijou.

Wir wählten unseren Platz unter einem Baum mit weit ausladendem, Schatten spendendem Geäst. Das angrenzende Dorf liegt auf einem Hügel, der eine wunderbare Rundsicht über die Lagune ermöglicht. Bereits kurz nach 5 Uhr in der Früh rief der Muezzim die Gläubigen zum Gebet. Hier wollen wir uns vorerst ausruhen und Pläne schmieden für die Weiterreise.

 

Um 7.30 Uhr hörten wir den Platzhahn krähen und beim Blick aus dem Fenster sahen wir eine Glucke mit einem Schwarm munziger Hühnchen durchs Gras huschen. Auch ein Pferd sichteten wir beim Toilettenhäuschen, das dort seinen Durst stillte. Irgendwie fühlen wir uns hier integriert.

 

Kurz vor Mittag kamen die Fischer mit ihrem Fang zurück. Viele kleine Boote landeten in der kleinen Bucht unterhalb des Dorfes und breiteten ihren Fang am Strand aus. Es wurde gehandelt und gefeilscht. Bündelweise Banknoten wechselten ihren Besitzer. Es war ein Gewühl wie auf dem Souk. Drei Männer schleppten sogar einen kleinen Hai von ca. 2 m Länge über den schmalen Pfad den Hügel hinauf.

Auch Bootsfahrten zum Besichtigen der Flamingos in der Lagune wurden angeboten.

Oben im Dorf, am Rande des grosszügig angelegten Platzes vor der Moschee, wechselten sich Restaurants mit kleinen Läden ab. Dazwischen und davor boten Händler Obst und Gemüse an. Die Erdbeertischee, die rot leuchtend ihren süssen, verlockenden Duft verbreiteten, haben es uns besonders angetan! Kartoffeln, Randen Zwiebeln und Artischocken wurden vom Bauer direkt vor der Moschee ab Anhänger angeboten. Ein guter Platz, den die aus der Moschee strömenden Gläubigen sofort umlagerten. In nahen Restaurant genossen wir zum ersten Mal das marokkanische Nationalgericht “Tajine“.

Dies wird in einem Tongefäss mit Spitzhaube serviert und in verschiedenen Varianten angeboten. Mit Huhn, Gemüse, Fleisch, Fisch, Kartoffeln und allerlei anderen Zutaten.

Hinter der ersten Häuserreihe, wo nur Einheimische einkaufen, deckten wir uns noch mit ein paar Dingen wie Konfitüre, Butter und Salz ein. Der Wand entlang standen viele Fässer, wo diverse Lebensmittel wie Mehl, Hirse, Reis usw., offen angeboten werden. Ganz wie früher bei uns im “Tante Emma-Lädeli“ nebenan.

Hier in Moulay Busselham haben wir uns gut erholt, der Platz ist empfehlenswert.

 

 

 

 

Camping Moulay Busselham    GPS    N 34°52'29.98"  W 6°17'16.59''

 

 

 

Nun zog es uns aber Richtung Süden. Die Strecke führte durch die Kornkammer Marokkos. Soweit das Auge reicht, riesige Anbauflächen. Teils unter Plastik-Tunnels, teils als offenes Ackerland. Oft sahen wir, wie noch mit Pferd und Einschar-Pflug gearbeitet wurde. Traktoren konnten nur vereinzelt ausgemacht werden.

Der Zwischenstopp auf dem Campingplatz “L'Ocean Bleu“ in Mohammedia war zum Übernachten in Ordnung, bot aber sonst nichts Sehenswertes. Im Gegenteil, ringsum werden Mehrfamilienhäuser-Siedlungen auf “Teufel komm raus“ aus dem Boden gestampft. Die Anfahrt erfolgte auf dem letzten Kilometer über eine Naturstrasse (Holperpiste) dem Meer entlang.

 

 L'Ocean Bleu“   Gps   N 33°44'14.6''   W 7°19'27.4''

 

Casablanca besuchten wir nicht. Es befand sich auch kein Campingplatz in der Nähe. Von Mohammedia aus hätten wir mit Taxi und Eisenbahn anreisen können, dies fanden wir zu umständlich. Und nur schnell hineinfahren mit dem Camper um ein Bild der grössten Moschee Marokkos (höhchstes Minarett weltweit, 210m) zu schiessen ist nicht unser Ding.

 

Also zogen wir gleich durch bis Safi. Die Strecke auf der Autobahn führte die letzten 140 Km durchs Landesinnere, das wenig Abwechslung bot. Die Autobahn war zeitweise menschenleer, es war heiss und die Gegend ringsum erschien uns steinig und unfruchtbar. Das schönste an der Strecke war ein neue Rastplatz. Der Landschaftsarchitekt hat hier alles gegeben. Mit Rasenflächen, farbigem Kies, allerlei exotischen Pflanzen, Sträuchern und Blumen wurde eine richtige Wohlfühloase geschaffen. Futuristische, schattierte Sitzgelegenheiten mit Tischen rundeten den schönen Platz ab.

Nach der Mittagsrast waren es nur noch ca. 100 km bis nach Safi, die wichtigste Hafenstadt am Atlantik.

Der Campingplatz “International“ liegt etwas ausserhalb auf einer Anhöhe. Die anderthalb Kilometer hinunter zur Altstadt gingen wir zu Fuss. Wir besichtigten die Überreste der von den Portugiesen im 16th Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Gegen Abend strömten immer mehr Menschen auf die Strassen. Händler bauten ihre Verkaufsstände auf und das Durchkommen wurde zusehens schwieriger. Alles wurde feilgeboten, von Markenartikeln (aus China) bis zu “Spanischen Nüssli“, die gleich auf Platz geröstet wurden. Für den Heimweg benutzten wir ein Taxi. Kosten für diese 10-minütige Fahrt: 1 Euro!

Bis es richtig dunkel wurde, machten die vielen Pfaue auf dem Platz mit ihrem lauten Geschrei noch etwas Stimmung, dann war Ruhe. Beim Verteilen der hartgewordenen Brotreste am anderen Morgen, vesammelte sich die ganze Brut vor unserem WoMo. Beim Gang auf die Toilette begegneten wir noch ihrem Chef, der das Pfauenrad präsentierte.

Wir irrten noch kurz in Safi herum, dem Carrefour-Wegweiser folgend. Esswaren mussten aufgestockt werden. Plötzlich kein Wegweiser mehr und immer noch kein Carrefour. Der erste Passant, den Anita nach dem Weg fragte, stieg sogleich in sein Auto und lotste uns vor den Laden. Ein Parkwächter machte sich sofort daran, uns einen Parkplatz in dem Strassengewühl zu organisieren. Er freute sich über ein paar Dirham. Die Leute hier in Marokko sind überaus freundlich und hilfsbereit!

 

 

 

Camping International Safi    Gps      N 32°19'00.8'' W 9° 14'17.3''

 

 

 

Safi -Essaouira

Die Strecke nach Essaouira führte dem Meer entlang und war sehr abwechslungsreich. Mal dem Meer entlang, hoch oben auf steilen Klippen, mal durch Senken oder über Anhöhen. Mal sehr karge Gegenden, dann wieder fichtenartiges Gebüsch, soweit das Auge reichte.

Zweimal passierten wir kleine Dörfer, in denen sich die Bauern aus der Umgebung mit Waren versorgten oder umtauschten. Unzählige Gespanne versperrten den Weg. Gezogen von kleinen, schlanken Pferdchen mit langen Beinen. Beidseits der Strasse bewegten sich die Gefährte in leichtem Trab in beiden Richtungen, bogen irgenwo ab und verschwanden hinter den Steinmauern, die ihre Felder umranden. Wer keinen Pferdekarren besass, reiste auf dem Esel sitzend an. Einmals hielten wir an, als eine Schafherde die Strasse überquerte. Schulkinder auf ihrem langen Weg zur Schule, den sie zu Fuss und per Autostop bewältigten, winkten uns freundlich zu. Viele waren alleine unterwegs auf der Landstrasse, tauchten auf aus einem der weit verstreuten Bauernhöfen oder Siedlungen in der Steinmauernwüste. Unwahrscheinlich, was die kleinen Kinder auf sich nehmen.

Und in der Schweiz karren die Mütter ihre Kinder wegen ein paar Hundert Metern mit dem Auto in die Schule!

Wir erreichten Essaouira am Nachmittag, kurften etwas herum und beschlossen, die Stadt anderntags zu besichtigen. Auf dem Campingplatz “Le Calme“, 18 km ausserhalb, richteten wir uns ein und bestellten eine “Tajine mit Huhn“ zum Abendessen.

Auch hier liefen uns wieder Pfaue über den Weg. Scheint ein beliebtes Haustier der Marokkaner zu sein.

 

 

 

 

Camping La Calme   Gps    N 31°25'57'' W 9°39'25''

 

 

 

Am Freitag, 28.4. beschlossen wir, Essaouira zu besichtigen. Dank unserem schlanken Reisemobil fanden wir einen Parkplatz bei den PW's direkt vor dem Eingang zur Medina. Ein Parkwächter eilte herbei, wies uns ein und kassierte 20 DH (2 CHF) Parkgebühr.

Essaouira ist eine beliebte Touristen-Stadt für Reisende aus aller Welt. Zudem ist der Freitag das, was für die Christen der Sonntag ist. Dem- entsprechend war das Gewühl in den Gassen der Medina. Trotzdem ist es immer wieder interessant zu erfahren, wie das Leben in anderen Kulturen funktioniert. Unzählige Geschäfte reihten sich aneinander und verströmten ihre besonderen Düfte. Da ist zum Beispiel der Metzger, der halbe Ziegen, Schafe und Hühner über dem Tresen hängen hat. Nebenan der Gewürzhändler, die Ware zu hohen Türmen aufgeformt. Schuhmacher, Nähateliers, Keramikverkäufer, Kunsthandwerker, Maler, Obst- und Gemüserverkäufer. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.

Plötzlich rief der Muezzim zum Gebet. Seine Stimme schallte überlaut aus dem Lautsprecher über dem Eingang der Moschee und hallte durch die enge Gasse. Die Männer strömten herbei und knieten nieder. Für die, die keinen Platz fanden in der Moschee, wurde kurzerhand die Strasse in Beschlag genommen. Wir verdrückten uns in eine Seitengasse und stärkten uns in einem kleinen Restaurant in einem sonnigen Hinterhof mit einem typisch marokkanischen Gericht: Couscous mit Lammgigot.

Der Lauferei und der vielen Eindrücken müde, machten wir uns auf den Weg zu unserem Auto. Natürlich haben wir uns in dem Gewirr der Strassen wieder ordentlich verlaufen. Nach einigem Hin und Her, dem Pfeil im Navi-APP im Handy folgend, fanden wir schliesslich zurück.

Die Strasse zur Stadt hinaus verlief entlang einem breiten, Palmen besäumten Boulevard. Davor eine kilometerlange Bucht mit Sandstrand. Der Ort ist beliebt für Kiter. Viele bunte Schirme tanzten am blauen Himmel.

 

 

 

 

Campingplatz Kaouki Beach   Gps      N 31°21'03.2'' W 9°47'38.5''

 

 

 

Auf unserem weiteren Weg Richtung Agadir passierten wir den Wegweiser Sidi Kaouki, einem Ort am Meer, in dem ein Campingplatz zu finden sei. Es ging schon gegen Abend und weit wollten wir heute nicht mehr fahren. Also umkehren und hinunter zum Meer. Auf dem Campingplatz “Kaouki Beach“ liessen wir uns nieder. Duschen, waschen und ausruhen ist angesagt.

Der Campinglplatz war ruhig und sauber, aber los war nichts hier in der Gegend. Am kilometerlangen Sandstrand vertraten wir uns noch ein wenig die Füsse. Ausser einem Berber mit 2 Dromedaren an der Leine, zwei Kitern und ein paar jungen Leuten, begegneten wir niemandem. Hier mochten wir nicht bleiben und zogen am andren Morgen weiter nach Agadir. Die Strasse führte vorwiegend durch menschenleere Gegend. Sehr schön zum Fahren, viel Abwechslung und nur ab und zu ein Auto. Zum Kreuzen mussten jeweils beide mit einem Rad vom Belag weichen. Bei einer Arga Cooperative hielten wir an. Anita wollte sich mit den fein duftenden Ölen eindecken. Das Öl wird aus den Nüssen der Arganbäume gepresst, die hier in endloser Weite anzutreffen sind. In jeder Kurve der folgenden 50 Km wurde das Öl, das auch in anderer Form als Speiseöl gefertigt wird, von Bauern angeboten.  

Nach mehreren Foto-und Kafihalten erreichten wir Agadir. Am Stadteingang fanden wir den Campingplatz "International". Sehr gut gelegen, nahe dem Strand, wo auch hier am Wochenende das Leben stattfindet. Rummel mit Riesenrad, Restaurants usw... Sehen und Gesehen werden. Agadir wurde im Jahre 1956 zu 90% durch ein schweres Erdbeben zerstört. Nun stehen überall schöne, neue Gebäude. Die Stadt wurde völlig neu geplant. Breite, Palmen gesäumte Boulevards durchziehen kreuz und quer den Ort. Anita schoss noch ein paar Fotos, während ich beim Auto Wache schob.

Auf der Suche nach einem Supermercato passierten wir den einheimischen Souk. Ein Riesengewühl an Menschen und Fahrzeugen hinderten uns daran, hier einen Blick hinein zu werfen. Viel zu viele Leute lungerten hier umher, deren Absicht nicht zu definieren war. Wir wollten das Auto hier keinesfalls unbeaufsichtigt stehen lassen.

Also zum Supermercato und noch schnell die wichtigsten Sachen einkaufen, denn ab hier wird es karg.

 

 

Auf der kurzen Strecke nach Tiznit nahmen wir es gemütlich. Die Temperaturen stiegen die letzten Kilometer merklich an. Um die Mittagszeit waren es doch schon um die 30°C!

 

Den Campingplatz “International“ in Tiznit fanden wir beim Stadteingang direkt hinter der Stadtmauer. Wir spazierten durch die Altstadt, fanden es aber nicht unbedingt aussergewöhnlich. So zogen wir anderntags weiter Richtung Tafraoute. Wir wollten endlich in die Wüste.

 

 

 

Camping International in Tiznit    GPS    N 29°41'41"    W 9°43'37"

 

 

 

 

Tiznit – Tafraoute

 

Die Strecke gefiel uns sehr gut. Die Strasse war in Ordnung, der Verkehr spärlich.

Ab und zu versperrte uns ein schwer beladener Lastwagen den Weg, der sich die steile Passstrasse hochquälte. Der Blick über die weite Steinwüste war ein Erlebnis. In den Senken und in ausgetrockneten Flussbetten spross die Vegetation. Palmen in vielen Formen und Grössen, Kakteen mit farbigen Blüten und Früchten, Sisal, Bougainviglia sowie Oleander. Ab und zu ein Arganbaum. Wir kamen nicht besonders schnell voran, nahmen uns Zeit für ein paar Fotos oder auch nur um den Blick über das, für uns ungewöhnlich weite Land, schweifen zu lassen. Weit verstreute Siedlungen, in der hier vorherrschenden braunroten Farben, schmiegten sich an die Hänge. Ziegen und Schafherden zeugten von Leben in dieser Gegend, in der wir nichts Essbares ausmachen konnten.

Auf der Passhöhe auf 1100 m im Anti-Atlasgebirge machten wir einen Mittagshalt. Irgendwie habe ich noch einen Hexenschuss eingefangen, schleiche gebückt umher wie ein altes Mannli! 

 

 

 

Am Nachnittag kamen wir in Tafroute an und richteten uns auf dem Campingplatz “Le 3 Palmiers“ ein. Nichts Besonderes, umsäumt mit einer Mauer und wenig Schatten. Unter dem Olivenbaum neben dem Auto parkten wir die Liegestühle und liessen es uns gut gehen. Schon lange wollten wir uns die Haare schneiden lassen, fanden aber keinen Coiffeur. Und, oh Wunder, schon steht einer neben dem Auto mit einer Umhängetasche und bot seine Dienste an. Kurzerhand wurde der Platz unter dem Olivenbaum zum Coiffeursalon. Die Prozedur dauerte ca. eineinhalb Stunden und kostete total 15 Euro für beide.! Und er hat es tip top gemacht!

Am Abend schlenderten wir noch ein wenig zum Städtchen hoch, bevor wir unsere Küche anwarfen und wieder mal “europäische-Kost“ (Curryreis mit Fruchtsalat) genossen.

Am anderen Tag, mitlerweilen ist es Dienstag, 2.Mai geworden, stand noch ein Termin an mit einem Kunstmaler, den wir in Tiznit getroffen haben. Er soll uns ein typisches Bild aus der Gegend auf unser WoMo malen. Er erschien auch tatsächlich und machte sich sogleich ans Werk. Ein Könner, wie sich herausstellte. Wir waren mit dem Resultat sehr zufrieden. Am Nachmittag schlenderten wir noch über den Markt und durch das Dorf. Die Abendsonne tauchte die Berge, die den Ort wie einen Halbmond umschliessen, in ein rötliches Licht. Zum Abschluss gönnten wir uns eine Tatjine im nahe gelegenen Restaurant.

 

 

Campingplatz Tafraoute 3Palmiers    Gps   N 29°43'18",  W 8°58'45"

 

 

 

Tafraoute -Tata

 

Für die Strecke durch das Gebirge wollten wir uns Zeit nehmen und fuhren darum bereits um 9.30Uhr los. Noch schnell 30 lt Diesel tanken (mehr schleppen wir nicht ins Gebirge) und dann los. Hier ticken aber die Uhren anders. Schon der Weg zur Tankstelle gestaltete sich schwierig. Heute war immer noch Markt in Tafraoute und wie uns schien, alles auf den Beinen. Wir schlängelten uns mit unserem Gefährt durch das Gewühl von Menschen, Schubkarren, Autos und Lastwagen. Bei der ersten Tankstelle zirkelte ich mühsam zwischen geparkten Autos in die Nähe der Zapfstelle, die etwas von der Strasse weg stand. Niemand da! Anita suchte Hilfe im Café nebenan, das zugeparkt war mit Autos. Die sei heute geschlossen, erklärte einer der Münzentee trinkenden Männer am Tisch vor dem Lokal.

Henu, das Ganze retour. Ich zirkelte rückwärts auf die Strasse zurück, Anita spielte die Rückfahrkamera. Nach ein paar Hin- und Her waren wir wieder auf der Piste. Weiter durch das Gewühl und bei der nächsten Tankstelle klappte es. Nicht, dass ich das Gewühl liebe, aber es ist immer wieder eine interessante Herausforderung und.... irgendwie geht es immer.

 

Von nun an waren wir auf der Strecke Richtung Tata.

Diese erwies sich aus ausgesprochen interessant. Besonders der Abschnitt, der uns als Abkürzung empfohlen wurde. Sie ist leider auf den wenigsten Karten eingezeichnet.

 

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Für Nachahmer

Ab Tafraoute der Strasse nach Agadir folgen. Nach 23 km erreicht man einen Kreisel bei der Polizeistation, hier rechts fahren für die nächsten 10 km und dann den Weg rechts Richtung Tata einschlagen. 86 km vor Tata erreicht man die Strasse, die von Igherm herunterkommt. Von nun an fährt man auf einem nigenagelneuen Strasse bis nach Tata. Ein schwarzer Streifen, noch ohne irgendwelchen Markierungen. Total 161km

 

Wir benutzen übrigens hier in Marokko das GPS-App : Sygic. Es kostet zwar etwas, funktioniert aber super. Damit findet man auch z.B. aus dem Suk oder der Medina wieder heraus zum Auto. Auch die Abkürzung nach Tata kannte es..

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Wir kamen uns richtig verloren, klein und unscheinbar vor, in dieser gewaltigen Landschaft. Durchquerten Schluchten und kraxelten über Höhen. Die Spitzkehren konnten öfters nur im 2. Gang passiert werden. Verschiedene Felsformationen und -schichten faszinierten uns. Obschon wir vereinzelt Ansiedlungen antrafen, konnten wir keinerlei Aktivitäten feststellen, von denen die Leute hier leben könnten. Keine Tiere oder Kulturen oder sonstige Energiequellen waren auszumachen. Nur eine überfahrene Schlange und ein paar davonhuschende Streifenhörnchen (jedenfalls sahen sie so aus) zeugten von Leben hier oben in dieser Steinwüste. Mehr als eine Handvoll Autos bekamen wir auch nicht zu Gesicht.

Es war Mittag, Zeit für eine Pause. Während Anita Kaffe braute, stöberte ich am Hügel nebenan in den Steinen herum in der Hoffnung, eine schöne Kobra aufscheuchen zu können. In einem Dokfilm über Marokko habe ich gesehen, dass die Schlangenbeschwörer, die man z.B. auf dem Jemal el Fna-Platz im Marrakech antrifft, ihre Tiere hier oben fangen. Man hätte mehr Zeit haben müssen und bei diesen Temperaturen nahe der 40° Marke, war es auch nicht besonders interessant länger hie herumzuirren.

So karg es hier sein mag, alles kämpft ums Überleben. Und so kam es, dass wir beim Passieren von Senken unverhofft Oasen mit üppiger Vegetation antrafen. Obschon weit und breit kein Wasser in Sicht war. Sie leben offensichtlich von der Restfeuchtigkeit des letzten Regens. Weiter unten trafen wir Hirten mit Schafen und Ziegen. An einem Ziehbrunnen schöpfte eine Familie Wasser.

Die Fahrt auf dem neuen, schwarzen Streifen war nun nicht mehr dasselbe. Irgendwie wirkte er wie ein Fremdkörper in der Natur. Also brachten wir die letzten 85 km bis nach Tata mit erhöhter Geschwindigkeit hinter uns.

Auf dem Campingplatz 3Palmiers (namensgleich wie in Tafraoute) parkten wir unter schattigen Palmen. Es war bereits nach 16 Uhr und die Temperatur betrug immer noch 37°C. 

Entgegen unseren Erwartungen wurde es in der Nacht angenehm kühl und wir konnten gut schlafen.  

 

 

 

 

Tata – Foum Zguid - Zagora

 

Diese Strecke bot vorerst für uns nichts Besonderes, das sich wesentlich abhob von den vergangenen Strecken. Im Gegenteil, es war für weite Teile topfeben. Ab und zu ein paar Büsche und vereinzelt kleine Bäume. Zum Fahren eher langweilig. Die Strasse war gut ausgebaut. Die Temperatur stieg doch jetzt schon an die 40° Grenze. Der Pneudruck schon kurz nach der Abfahrt von 4.5- auf 5.4 bar und die Pneutemperatur auf 45°C. Also etwas Geschwindigkeit drosseln und bei einer Reisegeschwindigkeit von 70 km/h pendelte sich alles wieder in den normalen Bereich ein.

Richtig interessant wurde es aber ca. 60 km nach Tata in der Nähe von Kasbah El Joua. Links der Strasse breitete sich eine faszinierende Landschaft aus. Auf den ersten Blick sah man sich der unendlichen Weite einer Sandwüste ausgesetzt. Hügeliges Dünengelände bis an den Horizont. Im Vordergrund durchzogen von einem tiefen Graben, in dem sich während der Regenzeit der Fluss schlängelt. Der Talboden ist von einem grünen Band mit hohen Palmen durchzogen. Vereinzelt waren noch Wassertümpel auszumachen.

 

Wir fanden eine Möglichkeit, von der Strasse an den Rand des Abhangs zu fahren. Von hier aus konnte man die Szene in vollem Umfang überblicken.

 

Best Point of view:  GPS   N 29°54'20'' W 7°20'45''.

 

 

Da wir der folgenden Gegend nichts mehr abringen konnten, fuhren wir bei Foum Zuig gleich durch bis Zagora. Es war noch früh am Nachmittag und so konnten wir die 260 km gut bewältigen.

Zagora betrachteten wir als Übernachtungspunkt und stellten ab im Camping Auberge les Jardins de Zagora. Leider war der Platz nicht explizit als Camping auf den Wegweisern angeschrieben und so irrten wir in Form einer Stadtrundfahrt umher. Der junge Mann, den wir nach dem Camping fragten, stieg gleich auf sein Motorrad und lotste uns hin. Auf die Frage, ob wir sonst noch ein Problem hätten, erwähnte ich die defekte Scheinwerferbirne vorne rechts. Kein Problem, er hätte gleich um die Ecke eine Garage, in 200 m. Wir folgten ihm ein "paar 200 m" zu einer “Feld-Wald-und Wiesengarage“. Sogleich nahmen sich 3 Mann der Sache an. Nach 15 Minuten und viel Palaver war die Glühbirne gewechselt. Als sie das Auto noch waschen wollten, habe ich abgewunken. Das hätte erfahrungsgemäss kein Ende genommen. Bestimmt hätte einer noch einen Onkel vermitteln wollen, der die schönsten Plätze der Umgebung kennt. Gegessen hätte man selbstverständlich beim Cousin, der sowieso die beste Tajine kocht. Und ach ja, hätte man nicht vielleicht noch ein paar Kugelschreiber, Farbstifte oder Süssigkeiten für die Kinder, eventuell sogar ein paar Kleidungsstücke zum Verschenken?

So funktioniert das hier zulande, jeder versucht etwas vom Kuchen abzubekommen. Ab und zu lassen wir uns erweichen und verschenken eine Handvoll Bonbons als Gegenleistung für ein Foto oder einer Auskunft. 

 

 

 

 

Zagora ist ein Ort mit vielen schönen Gebäuden. An der Hauptstrasse brodelt das Leben. Viele kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés reihen sich beidseits der Strasse aneinander. Als die Hitze ein wenig nachliess, machten wir uns auf die Futtersuche. In einem schattigen Restaurant genossen wir das Abendessen.

Auf dem Campingplatz waren wir vorerst die einzigen Gäste, bis am Abend noch ein Fahrzeug anreiste. Der Platz ist wunderschön angelegt. Palmen in verschiedenen Grössen spendeten Schatten und allerlei Blumen und Büsche erfreuten das Auge. Der Stadtkern war zu Fuss in 15 Minuten erreichbar.

 

 

 

Camping Auberge les Jardins de Zagora GPS   N 30°19'43''   W 5°49'58'' 

 

 

 

Zagora - Ouazazate

 

Am Freitagmorgen, 5. Mai, nahmen wir die Strecke nach Ouarzazate unter die Räder.

Diese Strecke ist zweifelsfrei eine der Interessantesten, die wir bis jetzt durchfahren haben. Viele schöne Oasen, schroffe Felspassagen, fotogene Kashbas und Bergstrecken erregten unsere Aufmerksamkeit. Auf halber Strecke erfrischten wir uns in einem Strassenkaffee in Agdz bei einem „Berber-Whisky“ (Münzentee). Die Strassen waren generell in gutem Zustand bis auf ein paar Baustellen. Einmal wurde ein Felsabriss beseitigt und einmal folgten ein paar Kilometer, wo der Belag erneuert wurde. Über weite Teile war die Piste bereits fertiggestellt, nur die Markierungen fehlten noch. Die Arbeiter erwiderten jeweils freudig unser Zuwinken. Manchmal löste auch ein zugerufenes “Jellah“ Gelächter aus.

 

Es war noch früh am Nachmittag, als wir Ouarzazate erreichten und beschlossen, gleich zu unserem Ziel, der Siedlung Ait Ben-Haddou zu fahren. Ein von der Unesco ins Register des Weltkulturerbes aufgenommenes Berberdorf, das komplett aus Lehm und Stroh gefertigt, an einem Hügel liegt. Wir zwängten uns durch die engen, verwinkelten Gassen den Hügel empor. Faszinierend, wie kühl es bei dieser Aussentemperatur in den Innenräumen dieser Lehmhäuser war. Lehm wird hier seit langer Zeit als Baustoff verwendet, er speichert die Wärme am Tag und absorbiert sie in der Nacht. Er reguliert die Feuchtigkeit und bindet Schadstoffe, wie es der einschlägigen Literatur zu entnehmen ist. Von ganz oben bietet sich ein grandioser Ausblick. Am Fusse umschmiegt der Fluss Asif Mellah den Hügel.

 

 

Ait Ben-Haddou, komplett aus Lehm gebaut

 

 

Auf dem nahe gelegenen Campingplatz der Auberge Kashbah du Jardin liessen wir uns nieder.

 

Ausschlaggebend war das Wort “Piscine“ auf dem Schild am Strassenrand. Genau das konnten wir jetzt gebrauchen. Ein Swimmingpool! Noch bevor wir uns an der Reception angemeldet hatten, sprangen wir ins kühle Nass. Die Temperatur war zwar nicht so hoch wie unten in Zagora, aber immerhin noch um die 35°C. Hier liessen wir es uns für eine Weile gut gehen.

 

 

 

 

Campingplatz "Auberge Kashbah du Jardin"   GPS  N 31°02'51"   W 7°08'06"

 

 

 

 

 

 

Ouarzazate, die Filmstadt

 

Heute ist Sonntag, 7. Mai und wir fühlen uns wieder fit für weitere Taten.

Auf dem Weg zurück nach Ouarzazate besuchten wir die ATLAS-Studios, in denen viele berühmte Filme wie Ben Hur, Kleopatra, Lawrence of Arabia, Gladiator, Die zehn Gebote, Asterix und Obelix und weitere, gedreht wurden. Ein Guide führte uns durch die verschiedenen Schauplätze, erklärte uns wie die diversen Gebilde entstanden sind und welche Materialien dazu verwendet wurden. Alles sah aus wie echt, aber nur auf der Vorderseite. Hinter den Kulissen stützten Holzgerüste die Szenerie. Diverse Relikte aus diesen Filmen waren noch vorhanden, wie zum Beispiel der Kampfwagen, in dem Judah Ben Hur das mörderische Rennen mit seinem Kontrahenten Messala bestritt.

Noch heute werden in den Studios um Ouarzazate Filme gedreht. Auch von europäischen Fernseh- und Filmgesellschaften.

 

Nach einem kurzen Mittagshalt in der Stadt verzogen wir und auf den Campingplatz Palmeraie in Tarmigt, etwas ausserhalb von Ouarzazate. Ein sehr schöner Platz inmitten hoher Palmen und Olivenbäumen. Umsäumt von Berberzelten, ausgelegt mit dem typischem Inventar (Sofa, Polsterliegen, Teppiche etc.). Natürlich mit Familienanschluss bei der Pfauenfamilie. Hoffentlich krähen die nicht wieder am Morgen früh. Einer weckt uns immer. Entweder der Pfau oder der Muezzim. Manchmal beide zusammen und begleitet von Hundegejaul ! 

 

 

 

Ouarzazate – Dades-Schlucht – Tinerhir- Errachidia- Erfoud

 

Die heute begonnene Strecke wird als “Kasba-Route“ bezeichnet und führt entlang dem Atlasgebirge auf der Südseite. Auf Deutsch würde das etwa heissen: “Die Strasse der Burgen“. Ehemalige Sitze lokaler Herrscher. Als erstes Ziel wählten wir die Dades-Schlucht. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir das Rosen-Tal mit Zentrum “el Kelaa M'Gouna“. Die französische Parfümindustrie ist hier Kunde. Der Duft der Rosenfelder versüsste für einmal die staubgeschwängerte Wüstenluft. Überall am Strassenrand wurde Rosenöl und aus Rosenblättern gefertigte Herzen zum Kauf angeboten.

 

 

 

 

Kurz darauf führte die Strasse hinein in die Bergwelt, es wurde enger und steiler. Und gefährlicher. Oft führte die Strasse ungesicherten Abhängen von mehreren hundert Metern Tiefe entlang. Strassenteile waren oft vom Regen unterspült, Stützmauern weggebrochen. Im Grossen und Ganzen war die Strasse aber passabel. Abgesehen von den skurrilen Felsformationen, ist die Gegend für Berg gewohnte Europäer kein besonderes Highlight.

 

Zeitweise glich die Strasse der Tremola, die auf der Südseite des Gotthards anzutreffen ist. Steile und enge Kurven, wie eine Schlangenlinie von oben anzuschauen. Die Vegetation war jedoch eine ganz andere. In der Talsohle sahen wir kleine Anbauflächen und grosse Palmenwälder. Im spärlich fliessenden Flüsschen wurde überall Wäsche gewaschen. Eine für uns fremde Prozedur. Die Wäsche wurde nämlich mit dicken Knüppeln behämmert, ins Wasser getaucht und wieder behämmert. Zum Trocknen wurde sie dann auf die Büsche ringsum verteilt, was dann schliesslich von weitem aussah wie ein blühender Blumengarten. Teilweise stiegen die Felsen beidseits der Strasse senkrecht und sogar überhängend auf. An der engsten Stelle musste die Strasse den vorhandenen Platz noch mit dem Flüsschen teilen. Wir mussten etwas zusammenrutschen auf den Sitzen um durchzukommen. Sehr interessant waren die Felsformationen anzuschauen. Manchmal wie aus Kuchenteig geformt oder zu sonstigen bizarren Formen aufgetürmt, denen dann die Einheimischen zum Beispiel Namen wie “Affenfinger“ gaben.

 

Die asphaltierte Strasse endet oben auf dem Pass auf etwas über 2000 m. Wir fuhren nicht ganz hinauf, es wurde nicht mehr interessanter.

 

 

 

 

 

An diesem Tag fuhren wir noch bis Tinerhir auf den Campingplatz "Ourti", wo wir die einzigen Gäste waren. Kein besonders schöner Platz, aber als Stopover ok.

 

Camping Ourti Tinerhir   GPS   N 31°29'57.22''   W 5°32'33''

 

 

Dienstag, 9. Mai

Heute haben wir etwas ganz Neues erlebt hier in Marokko. Für einmal zeigte sich der Himmel nicht in der obligaten blauen Farbe beim Erwachen. Nein, eine dunkle Wand schob sich von Westen heran und der Wind stieg orkanartig an. Es war irgendwo vor Errachidia. Gelbe Wolken flogen über die kahle Landschaft. Sand und kleine Steinchen prasselten an die Carrosserie. Kurzum parkten wir im nächsten Dorf nahe einer Hauswand und warteten ab. Zu allem Übel fielen jetzt auch noch ein paar Regentropfen, die den gelben Sand an unserem Fahrzeug festklebten. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Ausser der Farbe unseres Autos hatte sich nichts verändert.

 

 

 

Bei wieder schönstem Wetter und Temperaturen um 38°C fuhren wir weiter Richtung Errachidia und Erfoud weiter. Beim Ortseingang fanden wir den Campingplatz “Karla“. Wir parkten unter Palmen und erlebten kurzum wieder dasselbe Schauspiel wie heute Morgen. Ein Gewitter mit Sandsturm donnerte über die Landschaft. Wir mussten wieder alle Luken dicht machen und abwarten. Etwas gewöhnungsbedürftig ohne Frischluftzufuhr bei diesen Aussentemperaturen. Aber schliesslich sind wir hier in der Wüste und da bestimmen andere Elemente.

 

Das Gewitter hat sich verzogen und ein anderes faszinierendes Schauspiel war zu bewundern. Ein Abendrot wie in einem kitschigen Bollywood-Film. Zusammen mit den Palmen vor einem Farbhintergrund, wie es nur die Natur hervorbringen kann, ein erdenschönes Bild! 

 

 

Ab 5 Uhr am Morgen was es vorbei mit der Ruhe. Dieses Mal war es weder der Pfau noch der Muezzim, sondern die Motorrad- und Boogiefahrer. All die wüstentauglichen Fahrzeuge, die wir unterwegs angetroffen haben, schienen hier in der Dünenlandschaft ihrem Hobby zu frönen, dem Herumheizen auf ihren Maschinen. Auf dem Campingplatz standen leere Autotransporter und Anhänger herum, mit denen die Spezialfahrzeuge von weit her angekarrt wurden.  Jedem das Seine halt.

 

 

Camping Karla Efraoud   GPS   N 31°28'53.9"   W 4°13'00.9"

 

 

 

 

 

Erfaoud - Mezouga

 

Am Mittwoch, 10. Mai nahmen wir die letzten 56 km zu unserem Reiseziel unter die Räder. Kurz vor Merzouga fassten wir noch ein paar Liter Diesel und schon stand ein Berber in seinem traditionellen langen blauen Hemd, der Djellabah, neben dem Auto und begrüsste uns. Er heisse Hassan und hätte auf uns gewartet, wir sollen ihm folgen. Mohamed, sein Freund vom Campinplatz Karla in Efraoud habe ihn angerufen, es kämen da Schweizer hinunter, die eine gute Betreuung bräuchten. Das Busch- oder hier eher zutreffender, das Sandtelefon, funktionierte tadellos. Er schwang sich auf sein Mofa und fuhr mit wehendem Gewand voraus. Der Wind hat zugenommen und bereits fegten vereinzelte Sandschwaden über die Strasse. Um sieben Hausecken herum erreichten wir schliesslich den Campingplatz. Ausser einer deutschen Camperfamilie, die soeben zusammenpackte, waren wir die einzigen Gäste.  

 

 

Camping Hotel Haven La Chance, Merzouga,   GPS   N 31°08'02''   W 4°01'08''

 

 

Für uns hat hier an den Dünen die Reise geendet. Der Campingplatz liegt ca. 300 m vor der Sandwüste. Schon beim Einparken sind wir beinahe zweimal im Sand stecken geblieben. Draussen tobt der übliche Sandsturm. Wenn sich heute Abend der Wind legen sollte, möchten wir mit den Dromedaren in die Dünen hinein reiten und den Sonnenuntergang geniessen. Momentan sieht es aber schlecht aus. Wir haben uns in den Aufenthaltsraum des Hotels zurückgezogen, weil es in unserer verrammelten Blechbüchse, bei diesen Tempe-raturen nicht auszuhalten war. Zudem drang der Sand durch jede Ritze. Der Ausblick in die sanft geformten Dünen ist grandios, aber alles hat seine Grenzen. Auf diese Wetterverhältnisse haben wir uns nicht vorbereitet. Aber für uns stimmt es, wir haben erreicht was wir angepeilt hatten und werden morgen den Heimweg Richtung Fes antreten. Der Kreis hat sich geschlossen. Hier, im Nachbarland Algerien, sind wir vor 45 Jahren aus der Wüste gekommen auf unserer 6-monatigen Afrikadurchquerung von Cape Town bis Tunis.

 

 

 

 

 

Hassan, der sich laut seiner Visitenkare als “Der beste Guide der Sahara“ bezeichnet, tauchte plötzlich auf und bot uns den Ritt in die Dünen für morgen früh an. Diesen Vorschlag nahmen wir gerne an. Ok, morgen früh 05.20 Uhr Kamel beim Auto, meinte er.

 

 

Es war kurz nach 5 Uhr, als ein Beduine im Mondlicht auftauchte und uns begrüsste. Seine Dromedare lagen etwas weiter weg im Sand. Es folgte nun etwas vom Eindrücklichsten, das wir auf dieser Reise erlebt haben. Schon die kurze Wanderung im Mondlicht unter den immer spärlicher werdenden Palmen zu den beiden Dromedaren war für uns Europäer ein ungewohnter Moment. Die beiden Wüstenschiffe knieten im Sand und Hassan, (so hiess auch er) liess uns in den Sattel steigen. Beim “Start“ musste man sich gut festhalten, sonst wäre man zuerst nach vorne oder nachher nach hinten aus dem Sattel geworfen worden. Das, weil sich das Tier zuerst mit den Hinterbeinen, dann mit den Vorderbeinen erhoben hat.

Nun schaukelten wir den grossen Dünen zu. Es war Vollmond und windstill. Am Horizont kündete sich bereits das Licht der aufsteigenden Sonne an. Die Dünen wurden immer grösser. Hassan führte die Dromedare im Zick Zack den scharf zeichnenden Dünenkanten entlang, immer tiefer in die Sandberge hinein. Hinter einer grossen Erhebung liess er die Tiere abknien. Wir stiegen aus den Sätteln und kraxelten die grosse, etwa 15 m hohe Düne hoch.

Es ist nun schon deutlich heller geworden und die Sonne wird etwa in einer halben Stunde am Horizont aufsteigen. Oben auf dem Hügel erwartete uns ein unbeschreibliches Bild.

Der gestrige Sturm hatte alle Spuren vorheriger Wanderer verwischt. Mit zunehmendem Licht und den immer intensiver werdenden Schatten veränderte sich die Sandlandschaft in immer neue Formen und Farben. Ein paar übrig gebliebene Wolkenfelder vom vergangenen Sturm trübten den Sonnenaufgang nur minim. Es war ein grandioses Schauspiel. Wir lagen oben im warmen Sand und genossen den Ausblick in diese sanft geformte Landschaft. Weit hinten machten wir in einer Senke zwei Beduinenzelte aus. Etwas daneben lagen ein paar Dromedare. Touristen, meinte Hassan, haben eine 2-tägige Tour gebucht und übernachten dort.

 

Nun war es aber plötzlich vorbei mit der Ruhe. Von weitem hörten wir ein eine lärmige Gesellschaft anrücken. Chinesen, meinte Hassan nur. Nun waren zwei lange Karawanen, vom Nachbardorf herkommend, auszumachen. Es dauerte nicht lange und unser Hügel wurde von den Selfie- und Portraitsüchtigen Freunden aus Fernost in Beschlag genommen. Fotos in allen Posen wurden mit viel Lärm geschossen, sie natürlich immer vorne auf dem Bild. Trampelspuren und herumliegende Handtaschen trübten das Bild der unberührten Natur. Es braucht nun wieder einen kräftigen Sturm, um die Landschaft neuen Besuchern in unberührter Form präsentieren zu können!

Gut, sind wir früh aufgestanden. Wir fanden uns nun fehl am Platz und machten uns auf den Heimweg.

Bevor wir uns von Hassan verabschiedeten, kauften wir ihm noch ein paar geschliffene Fossilien ab, die hier in der Gegend vorkommen. Und alle waren glücklich.

Nicht unbedingt glücklich waren wir, als wir wieder zu unserem WoMo zurückkehrten. Nun war es taghell und wir konnten sehen, was der Sturm angerichtet hatte. Das Cockpit präsentierte sich in Einheitsfarbe, nämlich in Sandgelb! Überall hatte sich der feine Sand verteilt, es war richtig unangenehm.

 

Henu, wir fahren heute aus der sandigen Gegend heraus und schalten einen Putztag ein.

 

 

 

 

 

Ausritt in den Erg Chebbi

 

 

 

 

Nordafrika war vor ca. 350 bis 500 Millionen Jahren vom Devonischen Meer bedeckt. Als sich das Meer zurückzog, versanken seine Bewohner im Schlamm und versteinerten. Südlich von Erfoud werden die meisten Fossilien ausgegraben.

Es gibt hier viele Fossilienschleifereien und Museen.  

 

 

 

 

Merzouga - Midelt

 

In Midelt, ungefähr auf halber Strecke zwischen Merzouga und Fes, war es soweit. Alles wurde aus dem Auto geräumt und entsandet. Nun ist alles wieder wie früher.

Midelt liegt in einem Apfelanbaugebiet, wie schon der grosse Apfel im Kreisel der Einfahrtstrasse erahnen liess. Hier machten wir einen Zwischenhalt zum Übernachten. 

 

Camping Municipale Midelt GPS   N 32°40'41"   W 4°44'15"

 

 

 

Midelt - Fes

 

Heute Freitag, 12.Mai, sind wir in Midelt aufgewacht und haben mächtig gefroren! Die Temperatur lag am Morgen um 8 Uhr bei 14.5°C. Kaum zu glauben. Am Vortag hatten wir zu dieser Zeit noch um die 32°! Den ganzen Tag waren heute warme Kleider angesagt. Die Fahrt Richtung Atlasgebirge machte mit dem nun sauber geputzten Auto richtig Freude.

Langsam veränderte sich die Landschaft. Gestern noch in den lebensfeindlichen Dürregebieten um Merzouga, wo vorwiegend der Tourismus Geld ins Land bringt, wird in der grüner werdenden Landschaft immer mehr Ackerbau und Obstanbau betrieben.

Vereinzelt wurden am Strassenrand noch Datteln angeboten, aber je näher der Atlas rückte, wurde das Angebot immer reichhaltiger. Wir folgten der Strasse entlang des Ziz, der sich hier vom Atlas herunter schlängelt. An einem der vielen Verkaufsstände kauften wir frisch gepflückte Kirschen, Birnen und Aprikosen. Beinahe unter jedem schattigen Baum entlang der Strasse waren nun Kirschenverkäufer anzutreffen.

Auf Sendemasten, Minaretten und Hausdächern haben sich Störche ihre Nester gebaut, in denen bereits der halbwüchsige Nachwuchs umherstocherte.

 

 

 

 

Langsam wurde es karger, je höher wir ins Gebirge kamen. Grüne Hochebenen boten viel Platz für Schafherden, die in grosser Anzahl beobachtet werden konnten. Die Hirten bewohnen mit ihren Familien kleine Behausungen, die weit verstreut entlang der Strasse auszumachen waren. 7 km vor Azrou, im Forest du Cèdre, plötzlich ein für uns ungewohntes Schild am Strassenrand zeigte einen Affen. Natürlich, kam es uns in den Sinn, Berber-Affen. Auf einem grossen Parkplatz hielten wir an. Die Affen waren überall. Die Touristen auch. Ein beliebter Ausflug, der im Angebot hiesiger Reiseveranstalter steht. Reiten im Zedernwald und nebenbei Affen beobachten. Schnell wurde ich zu einem der beliebtesten Gäste auf dem Platz. Ich fand endlich dankbare Abnehmer für unser hart gewordenes Brot. Die Backen immer noch voll, zupfte er mich schon wieder am Hosenbein. Er dachte wohl: “Was man hat, das hat man!“. Gar kein schlechter Gedanke.

Wir schauten dem Treiben eine Weile zu, kauften noch ein paar Kristalle aus dem Atlas-Gebirge und zogen von dannen. Die heutige Etappe war sehr schön und abwechslungsreich.

 

 

 

 

 

Eigentlich wollten wir nur bis Ifrane fahren und dort übernachten. Der Camping war aber geschlossen. Probleme mit dem Wasser hiess es. Also durch bis Fes.

In Fes angekommen, nisteten wir uns auf dem Campingplatz International ein. Einem von zweien, die aber beide ca. 8 km von Fes entfernt lagen. Das war aber kein Problem, ein Taxi kostet für diese Strecke knapp 2 Euro. Ausser einem Holländer Camper-Ehepaar waren wir die einzigen auf dem Platz.

 

 

 

Camping International, Fes   GPS   N 33.9987°   W 4.96914°

 

 

Fes

Am Donnerstag liessen wir uns also nach Fes chauffieren. Wir wollten die berühmte Medina anschauen. Diese Altstadt ist sehr gross und hat viele Tore. Sie ist sehr verwinkelt und für viele Besucher ohne Führer ein Problem. Besonders der Weg zurück zum Ausgang zu finden kann schwierig werden. Wir wollten aber keinen Guide, wollten frei sein und uns selber durchschlagen.

Die Medina von Fes ist bekannt für ihre Urtümlichkeit. Die Gassen sind sehr eng, es reihen sich Händler aller Art mit allen möglichen Angeboten aneinander. Der Warentransport erfolgt mittels Schubkarren und Eseln. Immer wieder musste man zur Seite flüchten, wenn eine lautstark angekündigte Lieferung im Anmarsch war.

Viele Kunsthandwerker konnten beobachtet werden, die mit primitiven Mitteln auf engstem Raum wahre Kunstwerke anfertigten. Bei einer Werkstatt, die aus Messingblech kunstvolle Lampen, Teller, Vasen, Schmuckstücke, Dekos und vieles mehr anfertigten, hielten wir inne und fragten, ob wir ein paar Fotos machen dürften. Als Dank kauften wir ihnen ein paar Kleinigkeiten ab. Aber auch Schuhmacher, Schneider usw. konnten beobachtet werden, die ihr Handwerk ausübten. Alles funktionierte noch wie früher. Der Tourismus konnte hier noch keine nennenswerten Veränderungen bewirken. Natürlich entdeckten wir auch da und dort “Chinaschrott“. Wenn man sich nicht in einer organisierten Gruppe bewegt, muss man damit leben, dass man überall angequatscht wird von hilfsbereiten “Guides“. Natürlich sind sie keine Guides, wollen nur helfen. Auch wenn man sich verneinend bedankt, wird man noch eine Weile verfolgt und sie lassen erst ab, wenn man sehr deutlich wird. Wir haben gelernt damit umzugehen.

Ein besonderes Highlight ist der Teil der Medina, wo heute noch wie früher Tierhäute gegerbt werden. Die Tierhäute werden in Bottichen, gefüllt mit Rinderblut und -urin, mit blossen Händen und Füssen getaucht und gestampft. Das Leder soll dadurch besonders geschmeidig werden!

Das Mittagessen auf einer Dachterrasse haben wir zum Glück vor dieser Besichtigung eingenommen.

Hier stinkt es bestialisch und es ist bedenklich, dass diese Arbeiten ohne irgendwelche Schutzvorrichtungen für die Arbeitenden durchgeführt werden. Auch einem Färber haben wir zugeschaut, der die gelbe Farbe mit blossen Händen in das Leder eingerieben hat.

 

Die vielen Eindrücke und die endlose Wanderung durch die Gassen machten müde und auch von Medinas hatten wir allmählich genug gesehen.

Zurück auf dem Campingplatz verabschiedeten sich die Holländer, sie wollten weiter. Nun waren wir wieder alleine auf dem riesigen Platz.

 

 

 

 

Fes, die moderne Grossstadt

 

 

 

Fes – Chefchaouen

 

Als letzte Etappe vor der Einschiffung in Tanger Med wählten wir Chefchaouen, ungefähr auf halber Strecke. Der Ort ist unter Touristen bekannt als “Blaues Dorf“. Es liegt in den Bergen, die Anfahrt war auch dementsprechend. Nach endloser Kurbelei erreichten wir den angepeilten Campingplatz hoch über der Stadt. Er ist sehr schön gelegen und die Stadt konnte über einen Fusspfad oder mit dem Taxi erreicht werden. Wir bedienten uns beider Varianten. Hier auf dem Platz hatte für einmal nicht ein Pfau das Sagen, sondern ein Esel. Seit wir ihm ein Stück altes Brot offerierten, stand er dauernd vor der Tür. Wenn er mal nichts bekam, wurde er eklig, schnappte nach mir oder kaute an einem Liegestuhl oder an der Fussmatte auf dem Trittbrett.

 

 

 

Campigplatz Chefchaouen   GPS   35°10'35.7"   N 5°16'01.1"W

 

 

Am anderen Morgen machten wir uns auf den Weg hinunter in die Stadt. Der Fusspfad führte durch tropische Vegetation und bot viele interessante Aussichtspunkte.

Wieso hier so viele blaue Häuser anzutreffen sind haben wir noch nicht herausgefunden. Irgend jemand hat einmal damit angefangen und es wurde traditionsgemäss weitergeführt.

Chefchaouen ist ein von Touristen vielbesuchter Ort. Sogar die “Selfie-Süchtigen Freunde aus Fernost“ haben ihn entdeckt. Seit der jetzige König (Mohammed der 6.), die Visapflicht für Asiaten aufgehoben hat, findet man sie überall in Marokko.

Uns hat Chefchaouen gefallen, es hat viele schöne Plätze und eine kleine überschaubare Medina.

 

 

 

 

 

Chefchaouen - Ronda (Spanien) 

 

Nun ist es Zeit für die Überfahrt nach Europa. Die letzten 120 km am anderen Morgen nahmen wir unter die Räder. Die Fahrt nach Tanger Med führte durch eine weitere Kornkammer Marokkos. Das im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist Erntezeit, reife Kornfelder soweit das Auge reicht. Unzählige Mähdrescher und Ballenpressen waren im Einsatz. Auf schwer zugänglichen Terrassen wurde noch mit der Sichel gemäht und von Hand gebündelt.  Anschliessend wurden die Garben mit Eseln abtransportiert.

 

 

 

 

Gegen Mittag erreichten wir die Mehrenge von Gibraltar.

Nach kurzem Herumirren im Hafengelände fanden wir den richtigen Port und kamen ohne grosse Probleme durch den Zoll. Der Wagen wurde noch mit so einer riesigen Maschine geröngt, man fand aber nichts Verdächtiges und wir konnten gleich durchfahren auf die Fähre.

 

 

Mittwoch. 17. Mai.

So, und nun sind wir in Ronda in den spanischen Bergen und „ratiburgern“ über den weiteren Verlauf der Heimreise.

Vorerst besichtigten wir also Ronda. Der Weg hier hinauf in die spanischen Berge war eher mühsam. Eine endlose Kurbelei am Lenkrad und ein Rauf- und Runterschalten wegen den engen Kurven. Die Fahrt hat sich aber gelohnt. Das „weisse Dorf“, wie es genannt wird, ist den vielen Touristen nach zu urteilen, Ziel vieler Reiseveranstalter. Das Dorf ist in der Mitte durch einen tiefen Graben gespalten. Eine Brücke verbindet beide Teile miteinander und ist, zusammen mit der Stierkampfarena, das meist fotografierte Sujet im Ort. An- und auf den schroff abfallenden Felsflanken kleben Restaurants und Wohnhäuser wie Schwalbennester. Sehr beeindruckend fanden wir die Arena, wo noch heute Stierkämpfe stattfinden. Die berühmte Stierkampfarena von Ronda gilt als die älteste in Spanien und besticht durch ihre architektonische Schönheit. Die doppelte Bogengalerie und die überdachten Sitze ähneln einem Klostergang und machen die Arena zu einem einzigartigen Bauwerk in Andalusien. Im Innern der Arena kann das Stierkampfmuseum besichtigt werden, wie auch die Königliche Sattlerei von Orléans und eine Sammlung antiker Feuerwaffen.

 

 

 

 

 

 

Der Campingplatz von Ronda liegt etwas ausserhalb und ist sehr schön gelegen. Mit sauberen Sanitäranlagen und einem Restaurant. Ronda ist zu Fuss binnen 20 Minuten erreichbar.

 

 Camping “El Sur“   GPS   N 36°43'15.83"   W 5°10'18.61"

 

 

 

 

 

Nach Hause

 

Die restliche Strecke nach Hause betrachteten wir als Rückfahrt und hatten keine grösseren Pläne mehr. Machten noch verschiedene Stopps unterwegs in Spanien.

Ein Zwischenfall ereignete sich an der spanisch-französischen Grenze. In Figueres blieb die Kupplung an unserem Gefährt hängen. Mitten in der Altstadt, in einer engen Einbahnstrasse! Im 2.Gang und wenig Gas schafften wir es noch bis zur nächsten grösseren Parklücke am Strassenrand. Schlüssel drehen, Handbremse anziehen, fertig. Hier schalteten wir einen “Reparatur- und Servicetag“ ein, bevor es weiter gehen konnte. Der Wagen wurde verladen und in die Werkstatt gefahren, wo der niedrigen Preise wegen, auch gleich der grosse Service durchgeführt wurde. 

Die restlichen Kilometer bis zur Schweizergrenze wählten wir über die französischen Autobahnen, obschon deren Benutzungsgebühren nahe der Schmerzgrenze liegen.

 

 

 

Am Dienstagabend, 23. Mai 2017 waren wir wieder zu Hause.

 

 

 

 

 

 

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Fazit:

Es war eine super Reise mit vielen Eindrücken und Erlebnissen. 

 

Marokko zu bereisen ist etwas Besonderes und nicht jedermanns Sache. Die Marokkaner verstehen meist nur die französische Sprache. Man muss sich an die Männergesellschaft gewöhnen. Ausser in grösseren Städten, findet man in der Öffentlichkeit wenige unverschlei-erte Frauen, mindestens mit Kopftuch. In den Restaurants, Bars, Shops und im Service sieht man nur Männer.

Die Marokkaner sind sehr hilfsbereit und freundlich. Manchmal nervt es etwas, da jeder etwas anzupreisen hat und das auch mal mit penetranter Hartnäckigkeit. Freundlich bleiben hilft.

Etliche Etappen befinden sich fernab der Zivilisation in kargem Gelände. Ein gut gewartetes Fahrzeug und eine eigene gesunde Konstitution ist von Vorteil. Besonders in den südlichen Regionen und in der von uns befahrenen Jahreszeit.

 

Die sanitären Anlagen auf den Campingplätzen sind nicht immer perfekt (kein Wasser zum Klo-Spülen, kein Warmwasser zum Duschen, defekte Installationen etc. Die meisten Campingplätze sind sehr schön. Mit Blumen, Palmen und alles was die exotische Flora so zu bieten hat.

 

Das Wetter muss beim Bereisen dieses Landes berücksichtigt werden. In der Hochsaison, von Januar bis anfangs April, findet man tagsüber Temperaturen so um die 20 - 25 °C. Nachts sinken sie allerdings bis zur 0-Grenze ab und das Wasser im Gartenschlauch kann schon mal gefrieren, wie Hassan aus dem Süden Marokkos meinte. In diesen Monaten sind die Campingplätze ausgebucht. Viele Europäer überwintern dann in Marokko.

Wer gerne bei den Leuten bleibt und alle Risiken auf dem Minimum halten will, der bereist am besten die Westküste entlang dem Atlantischen Ozean von Tanger bis Tiznit. Diesese Gegend ist relativ eng besiedelt und es gibt viele Grossstädte.

Verlässt man bei Tiznit die Küste und fährt ins Landesinnere, wird die Zivilisation zusehens spärlicher. Die Strassen reduzieren sich zum Teil auf nur einen Asphaltstreifen, auf dem nur ein Fahrzeug Platz hat. Beim Kreuzen muss mit einem Rad auf das unbefestigte Seitentrassee ausgewichen werden. Die Ortschaften liegen oft weit auseinander.

Wer die Wüste liebt, ist hier genau richtig. Eigentlich ist “Wüste“ nicht das richtige Wort. Die Wüste ist nicht “wüst“. Im Gegenteil. Die Landschaft hinter dem Atlasgebirge ist sehr abwechslungsreich. Längere Abschnitte sind karg und öde, lassen das hektische europäische Leben vergessen und reduzieren die Bedeutung unseres Daseins auf ein Minimum. Dann wieder saftige Oasen und Palmenwälder, meist in ausgetrockneten Flussbetten. Auch Passstrassen sind zu bewältigen und ermöglichen so einen schönen Ausblick über das weite Land.

Die Temperaturen liegen in dieser Jahreszeit zwischen 30 und 40 °C. Nachts nur um 5-6 °C tiefer. An den Dünen bei Merzouga (der äusserste zugängliche Ort zu den Sanddünen) kann es ungemütlich werden. Sandstürme und Hitze sind nichts für Weicheier.

 

Wer es gemütlicher haben will, wählt die Kashbaroute entlang der Südseite des Atlasgebirges und fährt nicht hinunter zu den Dünen.

Einkaufsmöglichkeiten findet man überall, wenn auch manchmal in bescheidenem Angebot. Für Fleisch und für die gewohnten Esswaren deckt man sich besser im Carrefour oder dem marokkanischen Pendant dazu, im Marjane ein. Für uns Europäer speziell: Auch im Grossverteiler sind überall Teigwaren, Reis, Hirse, Gewürze, allerlei Trockenfrüchte sowie Gemüse und Früchte zum selber Abfüllen in Papiersäcke (kein Plastik!) zu haben.

 

Sicherheit: Wer die üblichen Sicherheitsvorkehrungen trifft, hat wenig zu befürchten. Wir haben nichts Negatives gehört. Die Polizeipräsenz ist enorm in diesem Land. Zudem sind überall dort wo Menschenansammlungen stattfinden, Parkwärter anzutreffen. Beim Eingang zur Medina oder beim Supermarkt zum Beispiel. Sie helfen beim Parkieren und halten für ein paar Dirham ein Auge auf das Fahrzeug. Man erkennt sie an den grün/gelben Gilets.

 

Essen und Trinken: Trinkwasser findet man in jedem Laden. Wir kauften es jeweils in 5lt. Flaschen. Wasser zum Kochen haben wir auf den Campingplätzen eingefüllt und ungefähr alle 3 Tage ausgewechselt.

Restaurants mit grosser kulinarischer Auswahl findet man nur in grösseren Orten.  Bescheidene Mahlzeiten erhält man auch in den Bars entlang der Strasse. Auch auf den Campingplätzen werden die Gäste gerne bekocht. Hier muss man sich aber 1-2 Std. vorher anmelden, da evtl. noch eingekauft werden muss. 

 

Diesel:  Meist kein Problem. Bei einer bevorstehenden längeren Etappe sollte man sich vor dem Antritt über die Distanz zur nächsten Tankstelle erkundigen. Wir haben auf der ganzen Reise immer nur 30 lt. getankt (wegen dem unnötigen Gewicht). Der Dieselpreis lag meist unter 1 Euro.

 

Camping Gas

Wir haben unseren Tank noch in Spanien aufgefüllt. Das geht in Marokko an den Tankstellen nicht. Wir haben uns sagen lassen, dass auch europäische Gas-Flaschen in Marokko nicht aufgefüllt werden können. Das Land verfügt über ein eigenes System.  

 

 

WiFi

Überall gratis.  Auf Campingplätzen ist die beste Verbindung meist in der Nähe der Rezeption.  In Cafes oder Restaurants nach dem Passwort fragen. Die Übertragungsgeschwindigkeiten variieren aber  von Mal zu Mal stark.

 

 

 

 

 

Noch ein Tip zum Überlegen

Wir haben mehrere Touristen getroffen, die die lange Reise über Frankreich und Spanien umgingen, indem sie von Genua nach Tanger einschifften. Mit der Einberechnung aller Kosten, die der Landweg verursacht und unter Berücksichtigung des Unfall- und Schadenfallrisikos, könnte die 2-tägige Schiffsreise eine Variante darstellen. Besonders, wenn die besagte Route schon mehrmals befahren wurde.

 

 

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